First Time 8 in 9 Tagen
ein Baubericht von Fossi
Vor zwanzig Jahren habe ich bereits einmal die Welt des Lautsprecherbaus betreten. Damals, kurz nach Weihnachten und in der Werkstatt meines Onkels, haben Perlessbausätze in einem 75l Gehäuse ein neues Zuhause gefunden und mir über lange Jahre gute Dienste geleistet. Nun haben sich die Schaumstoffsicken, eine zu der Zeit weit verbreitete Bauform, in Wohlgefallen aufgelöst und ich musste mich nach einem Ersatz umsehen
Im Sommer bin ich über Udos Homepage gefallen – sehr zum Leidwesen meiner Freundin – und nach intensivem Studium dieser hatte ich keine Lust auf Ersatz, sondern auf was Neues. Da ich die Boxen überwiegend im 5.1 Betrieb nutze, habe ich mich für Udos First Time 8 entschieden. Ganz sicher war ich nicht, ob dieses Lowbudget-System meinen Wünschen gerecht werden würde. In einem Telefonat mit meinem Vater konnte ich Finanzierung und Verbleib sicherstellen: „Bau die Dinger einfach. Wenn Sie nichts werden, nehme ich Sie.“ „Und wenn Sie was werden?“ „Nehme ich Sie auch!“
Zwei Tage später waren die Sätze bei Udo bestellt. Eine Lieferung ist auch nach Österreich problemlos möglich. Bei OBI habe ich die Holzliste abgegeben und am Abend habe ich mich ans Zusammenleimen gemacht. Ich habe mich für einen, laut Aussage des OBI-Mitarbeiters, leicht schäumenden Ponal Montageleim entschieden. Bei einer Anpresszeit von einer Stunde ist die Verarbeitung ohne Leimzwingen nicht möglich. Der Leim tritt aus allen Fugen und härtet als eine Art Schaum aus. Das garantiert die absolute Dichtheit. Der Falltest aus 1,5 m Höhe – die gestapelten Gehäuse sind bei der weiteren Bearbeitung im Außenbereich einer Windböe zum Opfer gefallen – hat keine nennenswerten Schäden hinterlassen. Die Stabilität ist auf jeden Fall gewährleistet.
Die Leimreste lassen sich mit einem Cutter-Messer leicht entfernen und die Schleiferei fällt mittels Exenterschleifer leicht. Von meinem Nachbarn, vielen Dank an dieser Stelle noch mal, durfte ich mir eine Oberfräse und einen Frässkopf ausleihen. Die Kanten mit der Fräse abzuwinkeln, habe ich mir wesentlich schwieriger vorgestellt. Die Aktion war nach 15 Minuten beendet und das Auto meiner Freundin mit einer 1cm dicken MDF-Staubschicht zugedeckt - ups. Von meinem ersten Lautsprecherbau wusste ich noch, das MDF beim Verarbeiten zu so etwas wie Mehl zerfällt. Ich empfehle an dieser Stelle dringlichst einen Mundschutz. Die Öffnungen habe ich Mangels Fräszirkel mit der Stichsäge umgesetzt.

Nach Konsultation des örtlichen Farbenfachgeschäfts wurden mir Adler-Lacke empfohlen. Von Adler gibt es einen 4in1 MDF-Füller in weiß, schwarz und wahrscheinlich noch weiteren Grundfarben. Der Schwarze war leider abwesend. So habe ich den Weißen genutzt, dazu dann einen Pigmentpur Lack in Schwarz und anschließend einen Klarlack. Zudem noch Feinspachtel für die kleineren Schrammen des Fallsturzes und die Montageungenauigkeiten. Etwa zu diesem Zeitpunkt kamen die Bausätze aus Bochum und so konnte ich die Bauteile einpassen und die Schraublöcher bohren.
Der “4 in 1”-Füller lässt sich mit der Wagnerspritze 660 aus dem OBI etwas schwierig verarbeiten. Eine Verdünnung wird mit 10% empfohlen, das ist etwas wenig. Der Füller lässt sich hervorragend schleifen. Anschließend musste ich den Farblack auftragen, das entfällt jedoch, wenn mit Füller in der richtigen Farbe gearbeitet wird. Mit 600er Schleifpapier kann man kleinere Fehler ungesehen machen. Man kann diesen Schliff direkt mit Klarlack überziehen, die Schleifspuren sind anschließend nicht mehr zusehen. Das zu Wissen, hätte mir bei den ersten Gehäusen viel Arbeit und Lack erspart.
Das Ergebnis ist wirklich zufrieden stellend. Die Lautsprecher werden nun in hochglänzendem Tiefschwarz tönen. Am Freitag hatte ich begonnen, jetzt haben wir etwa Samstagabend eine Woche später.
Am Sonntag habe ich die Gehäuse aus der Garage geholt und angefangen in unserem Wohnzimmer die Weichen zusammenzulöten. Udo packt übrigens den Schaltplan mit der detaillierten Teilebezeichnung in den Versandkarton. Ich habe den Versuch gestartet, dass aus der Bauanleitung herauszulesen – geht nicht! Außerdem habe ich versucht, die Widerstände nach den Farbkodierungen zu bestimmen. Wer im Besitz eines Strommessgerätes ist, kann das durchaus schneller erledigen. Dieser Tipp meines Vaters hätte mir auch einiges an Zeit erspart.
Die Bauteile habe ich dem Schaltplan folgend zusammengelötet, mit Heißkleber auf kleine Holztäfelchen geklebt und mit den auf Länge geschnittenen Kabeln versehen. Udo hat mir für den zweiten Bausatz empfohlen, die Spulen möglichst weit getrennt zu verkleben. Ab etwa 3-5cm findet keine nennenswerte gegenseitige Beeinflussung mehr statt. Das habe ich bei den Ersten nicht ganz beachtet. Die Holztäfelchen kann man nun auf die Gehäuserückwand kleben oder schrauben. Nun noch die Dämmung einsetzen, die Chassis anlöten und einbauen und dem ersten Hörgenuss steht nichts mehr im Wege.
Ich habe die Lautsprecher natürlich vor dem Transport nach Norddeutschland in Österreich „einspielen“ müssen. Bass und Hochton sind bei einem 5.1 System leicht überzeichnet – laut Udo. Das habe ich bei meinem alten Yamaha-Receiver, ein Vorkriegsmodell ohne digitale Eingänge, nicht bemerkt. Erst mit dem RXV2700 war das bei normaler Musikwiedergabe rauszuhören. Eine Dämpfung um ein bis zwei Dezibel an der Endstufe schafft aber schnell Abhilfe. Ansonsten ist dieser Lautsprecher einfach nur genial. Von allen Seiten habe ich bislang nur gutes gehört: „Iss hier ja wie im Kino!“ Wenn man das erste Mal sieht, zu wie viel Hub die Bässe in z.B. Mr. & Ms. Jones fähig sind, bleiben die Blicke erst einmal ungläubig an den Lautsprechern hängen. Die Raketen fliegen durch den Raum und sowohl Pumpgun als auch schallgedämfte Pistole lassen die Decke beben. Und dann lieber noch mal schauen, ob die Sicken dieser Belastung auch wirklich gewachsen waren.
Nachdem ich nun so gute Erfahrungen in Norddeutschland gemacht habe, bin ich nach einem weiteren Telefonat nach Bochum gefahren. Ich hatte sowieso eine Einkaufstour nach Bielefeld geplant. Bei diesem Hörtermin in Udo’s „Bude“ habe ich sehr viel dazugelernt. Enorm beeindruckt hat mich ein Röhrenverstärker in Verbindung mit einer Regalbox. Die Lautsprecher waren kaum zu orten, der Bass war deutlich präsent und die Frage, wo denn der Subwoofer stehe, blieb abgesehen von Udos breitem Grinsen, unbeantwortet. Den Unterschied zwischen normaler und Röhrenendstufe ist ähnlich dem eines Vorhangs, den man vor den Lautsprechern zurückzieht. Bei diesem Gespräch hat mir Udo offenbart, das es eigentlich keine wirkliche Alternative im Stereobereich zum Filmgucken gibt, da eben die Überzeichnung von Bass und Hochton fehlt, die einem beim DVD-Schauen das Grinsen ins Gesicht zaubert. Da ich mein System überwiegend zum Fernsehen nutze, habe ich mich zum Bau eines zweiten FT8-Sets entschieden. Die Bausätze habe ich direkt in Bochum mitgenommen, bis zum Bau musste ich mich aber noch sechs Wochen gedulden.
Die Proportionen des FT8-Tops haben mir nicht so gut gefallen. Die Box passt liegend mit knapp 40 cm perfekt in jedes HIFI-Rack, mit 24 cm Breite aber kaum – das entspricht ca. 6 Höheneinheiten und selbst die dickste Endstufe aus Daddys DJ-Equipment kommt nicht über fünf Zoll hinaus. Ich habe die Breite der Front um fünf Zentimeter reduziert, und das fehlende Volumen in der Tiefe dazugegeben. Die Proportionen passen jetzt sehr viel besser zu den Hauptlautsprechern und die Box ist etwa zwei Zentimeter höher als mein Yamaha RXV2700. Im Hintergrund passen die Lautsprecher perfekt in ein 30cm Ivar-Regal.
Zuschnitt erfolgte wieder bei OBI, zusammengesetzt habe ich die Boxen wieder im Flur. Um unabhängiger von Umwelteinflüssen zu sein, habe ich mir die Garage eines Bekannten geliehen. Die Fräserei hat mich so beeindruckt, dass ich mir eine eigene Fräse gegönnt habe. Einen Fräszirkel aus 12mm Sperrholz ist schnell ausgeschnitten. Als Dorn musste eine Spax-Schraube herhalten. Zur Fixierung der unterschiedlichen Radien ebenfalls. Nach einem ersten Versuch, und der Feststellung, dass auch hier mit etwas Geschick gute Erfolge zu erzielen sind, habe ich mich entschlossen, die Chassis abgesehen vom Hochtöner zu versenken. Das war keine schlechte Entscheidung. Dadurch machen die Lautsprecher machen einen wesentlich wertigeren Eindruck.
Als Farbe habe ich mich für ein leicht getöntes Weiß entschieden. Den 4in1-Füller gibt es in RAL9010. Das leicht gebrochene Weiß brennt nicht ganz so in den Augen. Den Füller habe ich mit 10% Härter und unüblichen 20-25%Verdünnung verarbeitet. Die Wagner 660 schafft dickere Soßen leider nur klecksweise. Der Füller lässt sich mit sehr wenig Aufwand plan schleifen. Man sollte hier über Handbetrieb nachdenken, die hölzernen Ecken schauen mit dem Excenterschleifer sehr schnell wieder durch die Farbschicht. Anschließend ein bis zwei Durchgänge mit Klarlack und die Gehäuse stehen da wie ein Konzertflügel.
Die Produktion der Weichen hatte ich an zwei Abenden schon mal vorgezogen. Beim zweiten Mal geht alles schneller und die Empfehlungen von Udo habe ich ebenfalls einfließen lassen. Somit waren die Gehäuse schnell mit der Technik bestückt. Bei meinem ersten Set hatte ich eine kleine Neigung der Dayton-Chassis zum Klappern bei extrem großen Lautstärken festgestellt. Um Dem zu entgehen habe ich auf das Hoferangebot mit Fensterdichtungen aus Schaumstoff zurückgegriffen. Diese p-förmigen Dichtungen passen sehr gut in den Rand des Blechkorbes und sind in der eingefrästen Vertiefung der Chassis nicht mehr zu sehen. Aufstellen, anschließen, fertig.
Gestern habe ich mir Ronin, einer meiner Lieblingsfilme, das erste Mal in Dolby-Digital angehört. Der Film ist fantastisch vertont. Die Verfolgungsjagden durch Paris und Nizza sind fantastisch, ein Audi S8 klingt wie ein Audi und ein geschalteter BMW eben wie dieser klingen muss. Explosionen lassen die Bude erschüttern und Projektile fliegen quer durch den Raum. Man ertappt sich immer wieder dabei, den Ton leiser zu machen, um die Nachbarn zu schonen. Wie Udo auf seinen Seiten immer betont, ist die theoretische Leistung eines Lautsprechers und einer Endstufe kaum entscheidend. Wenn der Yamaha-Receiver auf etwa 0db läuft, werden Explosionen oder ähnliches unsauber, die Leistung meiner Endstufe bringt dann den Raum oder die Lautsprecher an Ihre Grenzen. Man macht dann automatisch etwas leiser. Auch eine überforderte Endstufe lässt sich schnell raushören und die Leistung korrigieren. Die Lautstärke ist dann aber im wahrsten Sinne ohrenbetäubend, weit lauter als in jedem Multiplexkino. Mein Wohnzimmer hat übrigens etwa 50qm mit hoher, offener Holzdecke. Wer möchte, ist herzlich auf eine Hörprobe in St. Johann in Tirol eingeladen.
Fossi
Wenn Du diesen Bausatz nun auch nachzubauen möchtest, kannst du ihn bei

Hallo Fossi,
sehr schöne Arbeit. Ich befinde mich gerade selbst in der "Findungsphase" was mit meinen SB240 Gehäusen geschehen soll. Ich hab mich letzten Monat auch mal an ein Weißes Hochglanz-Finish versucht. Das Ergebnis war aus der Distanz gut, beim genauen betrachten aber eher bescheiden. Ich habe als erstes 4 in 1 Füller aus dem Hornbach verwendet und anschließend 4 Schichten Weiss aufgetragen. Zwischen jeder Schicht nass geschliffen (800er und 1000er) ganz zum Schluss mit Klarlack überzogen. Verstehe ich es richtig, dass du eine Schicht schwarzen 4in1 Füller gesprüht, und anschließend direkt Lack überzogen hast? Ich finde das Ergebnis von dem Center überwältigend und freue mich über genaue Details. Musikalische Grüße Olli
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