Baubericht von Rolf
Vorwort
Schon seit etwas längerer Zeit sagten mir meine 10 Jahre alten JBL TI 5000 nicht mehr so richtig zu. Nach meiner Meinung neigen sie doch zu einer eher harten und dabei etwas verwaschenen Darstellung. Bei elektronischer Musik eher unerheblich, bei natürlichen Instrumenten nach einer gewissen Zeit aber einfach nervend. Irgendwann ist dann meist der Zeitpunkt gekommen und man will etwas Besseres haben – so auch bei mir. Nach einigem Umhören im Bekanntenkreis und deren Lautsprechern sowie Hifi-Studios ohne ein zufrieden stellendes Resultat, traf ich zufällig auf das Hifi-Forum. Von dort aus war der Weg zu Udo Wohlgemuth nicht mehr weit. Kurzfristig war dann auch ein Termin gemacht.
Nach einigen Stunden intensiven und entspannten Hörens war mir klar, dass die Suche nach meinen neuen Lautsprechern beendet sein könnte: Nur konnte ich mich noch nicht zwischen Duetta und MiDu entscheiden. Fraglich ist natürlich immer, wie sich die Lautsprecher in den eigenen vier Wänden verhalten. Um dies zu klären durfte ich kurz darauf die Duetta einige Tage zu Hause Probe hören und konnte sie direkt mit meinen alten Lautsprechern vergleichen. Dabei stellte ich fest, das sie genau in den Bereichen glänzen konnte, auf die es mir besonders ankam. Die Entscheidung stand also fest: Die Duetta musste es sein.
Jetzt gab es nur noch ein Problem, und zwar das Design. Ich muss dabei zugeben, dass das Design der MiDu mir doch besser gefällt. Es störte mich dabei aber weniger die Größe des Lautsprechers, sondern eher die Zweiteiligkeit. Das Ganze muss doch irgendwie in eine einteilige Konstruktion untergebracht werden können, ohne dass an der Größe der einzelnen Volumen etwas geändert wird. Nach einigen Nachforschungen im Forum wurde mir bewusst, dass vieles möglich ist – trotz meines eher mittelprächtig ausgeprägten handwerklichen Geschicks.Vorsichtshalber entschloss ich mich erst einmal einen Prototypen zu bauen – ich hatte es ja nicht eilig und wollte erst einmal sehen, wie meine Idee in Holz wirkt.
Der Prototyp
Zuerst kam die Zeichnung. Da ich beruflich ganz zufällig vor kurzer Zeit eine Schulung für ein CAD-System bekommen hatte, war der Weg dorthin recht einfach. Ich setzte also beide Gehäuse aufeinander und verlängerte im ersten Schritt nur das Bassgehäuse. Das wirkte jedoch sehr klobig und so wurden die Seiten des „Tops“ mit einer breiten Fase versehen um das Ganze etwas schlanker erscheinen zu lassen. Nach dem Ausdruck der 2D Zeichnungen und Erstellung der Holzliste, war der nächste Schritt der Weg in das „Männerparadies“ Baumarkt. Hier habe ich dann entsprechend meines Vorhabens erst einmal die Bretter für einen Lautsprecher, den notwendigen Leim, Gehörschutz, Staubschutzmaske, noch ein paar Schraubzwingen und diverse Kleinigkeiten gekauft.
Es konnte also jetzt losgehen. Da mir leider kein Keller zur Verfügung steht, musste das komplette Bauvorhaben in der Garage durchgeführt werden. Das hat aber wenigstens den Vorteil, dass auch kein Dreck im Haus entsteht. Das Auto kann auch zur Not ein paar Wochen vor der Garage parken – man muss halt Prioritäten setzten!
Um mögliche Fehlerquellen und handwerkliche Unzulänglichkeiten schon beim Bau des Prototypen aufzudecken, wollte ich hierbei fast genauso genau und detailliert vorgehen wie beim späteren Bau der richtigen Lautsprecher. Innerhalb von 2-3 Tagen waren die Bretter soweit miteinander verleimt und Zeit für die ersten Erkenntnisse: Man kann nie genug Schraubzwingen haben und auch normaler Leim (kein Express) verbindet die Holzbretter sehr schnell.
Der nächste Schritt, den ich nun vorgesehen hatte, war das Fräsen. Wie zu erwarten, erwies sich das Fräsen der Rundungen mit einer entsprechenden, verstellbaren Schablone als relativ einfach bei sehr gutem Resultat. Die rechteckigen Ausfräsungen des ER4 jedoch waren mit einem einfachen Seitenanschlag nicht vernünftig herzustellen. Hier musste dann wohl oder übel eine Schablone nach Udos Vorschlag MPX 18 eigens erstellt werden. Nach dem Ausfräsen konnte auch die Frontplatte mit dem Rest des Gehäuses verleimt werden. Danach noch die überstehenden Kanten mit dem Bündigfräser entfernen und ein wenig Schleifen und fertig ist das Rohgehäuse.
Besser gesagt, fast fertig: Es fehlten immerhin noch die Fasen im Top-Bereich des Gehäuses. Wie ich das prinzipiell machen wollte, hatte ich mir irgendwo im Hifi-Forum abgeschaut. Zuerst Anzeichnen der Fase und dann einfach ein paar Leisten – in meinem Fall Aluleisten – an das Holz anschrauben. Dies macht natürlich nur Sinn, wenn man nachher entweder furnieren oder lackieren will und damit die durch die Schrauben entstehenden Löcher wieder überdeckt. So und nun nur noch absägen. Natürlich, wie im Bild zu sehen ist, schön mit der Handsäge. Das dauert dann auch gerne mal 2-3 Stunden für eine Seite. Nach Fertigstellung des Prototypen, der nicht mehr furniert werden sollte, entschied ich mich dazu die endgültigen Gehäuse, mit geringen Modifikationen (u.a. breitere Fase) so aufzubauen.
Durch den Aufbau des Prototypen hatte ich ausreichend Erfahrungen gesammelt, um mich nun dem Aufbau der richtigen Lautsprecher zu widmen – diesmal auch gleich ein ganzes Paar. Einige Dinge wollte ich nun auch anders angehen:
Die äußeren Bretter 2-3 mm länger zuschneiden lassen. Auch wenn die Baumarkt-Sägen sehr genau sägen könnten, heißt das noch nicht, dass die Mitarbeiter auch immer dazu motiviert sind. Lieber nachher noch ein wenig fräsen und schleifen, als sich über einen ½ Millimeter zu kurzes Brett zu ärgern.
Aus optischen Gründen die Fase etwas tiefer zu gestalten.
Erst furnieren, dann ausfräsen der Löcher und anderer Öffnungen.
Vor dem Verleimen an die Löcher für die interne Verlegung der Lautsprecherkabel denken

Über den Aufbau möchte ich an dieser Stelle auch nicht mehr viele Worte verlieren – das habe ich bereits vorher beschrieben. Interessant und absolutes Neuland war für mich noch das Furnieren. Ausgesucht habe ich mir ein Makoré Furnier, das von der Breite aber leider nicht für eine Box reichte und dementsprechend zuvor mittels Furnierband zusammengefügt werden musste. Eine recht aufwändige Arbeit, denn zuvor musste das Furnier längs mittels eines scharfen Teppichmessers begradigt und dann mit dem Furnierklebeband zusammengefügt werden. Das Aufbringen des Furniers auf die Box habe ich dann entsprechend der im Magazin beschriebenen ‚Bügel-Methode’ mit Omas altem Bügeleisen aufgeleimt.
Vor der 2-fachen Versiegelung des Furniers mit Hartwachsöl musste dieses noch mehrfach angeschliffen werden, um nachher auch den gewünschten seidenmatt Glanz zu erreichen. Auch dieser Schritt war irgendwann geschafft und nun durften die fertigen Gehäuse noch 5 Tage ruhen und dabei den Geruch des Hartwachsöls verlieren.
In der Zwischenzeit konnten die Weichen aufgebaut und verlötet werden. Die Bauteile für die Bass-Weiche sollten im Inneren des Bassabteils platziert werden und wurden auf einer kleinen Holzplatte aufgebaut. Die Hoch- und Mittelton-Bauteile sollten im separaten Fach hinter dem Top-Teil platziert werden und wurden auf jeweils einer Platine aufgebaut. Die einzelnen Bauteile wurden dabei noch zusätzlich mit Kupferdraht verbunden und mit Heißkleber auf der Platine fixiert. Nach Installation der Komponenten im Gehäuse und einem ersten, vorsichtigen Funktionstest mit einem alten Verstärker, konnte endlich mit der ersten Hörsession begonnen werden.
Fazit
Die ersten Höreindrücke waren doch sehr durchwachsen. OK, die Lautsprecher müssen sich erst einmal einspielen und dies dauerte dann besonders beim Hochtöner knapp 2 Wochen. Nach dieser Zeit war die Härte verflogen und nun spielen die Lautsprecher. Und genau das machen sie: Sie spielen die Musik, wie sie nach meinem Geschmack sein muss – nicht mehr und nicht weniger.
Zum weiteren Klang möchte ich dann auch keine weiteren Worte verlieren, dafür fehlen mir die blumigen Umschreibungen. Nur eines noch: Ich habe die zeitliche und finanzielle Investition keine Sekunde bereut und kann nur empfehlen sich dieses tolle Produkt anzuhören und sich dann seine eigene Meinung zu bilden!
Zum Schluss möchte ich Udo danken, der alle Fragen immer schnell, kompetent und unkompliziert beantwortet hat und mit seinem Duetta-Bausatz mehr als nur eine Alternative zu den üblichen, sehr teuren Fertigboxen entwickelte.
Grüße, Rolf
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