Dieser Bausatz ist leider nicht mehr lieferbar.
Johannes baut die FirstTime 4
Ich hatte mich im HiFi-Forum umgesehen und war irgendwie auf Udo’s Seite gelandet. Nach einer kurzen Email zu meinen Optionen präsentierte er mir unter anderem auch diese Box – BINGO! Die sollte es also sein. Allerdings war mir das Aussehen, wie sie da stand, selbst für ein Low-Cost-Projekt zu bieder, zu einfach, zu eckig, Kasten und Schluss. Also mussten Ideen her. Nach einigen kurzen Skizzen und Überlegungen stand das Grundkonzept und ich bemühte kurz meinen Rechner (ACAD) und meine Nerven, um mir ein Maßstab getreues Abbild meiner Design-Variante zu machen.
Ich finde gerade bei solchen erschwinglichen Boxen sollte das Design in den Vordergrund gerückt werden, um eine ansprechende Esthetik beim potenziellen Interessenten zu wecken. Schließlich isst das Auge mit. Abgesehen davon, finde ich, braucht sich diese Box auf keinen Fall zu verstecken.
Mit Speck fängt man Mäuse.
Kurze Zeit später kam das dabei heraus:
Eine kleine Variation vom Grundkasten, denn schlussendlich musste auch ich mich an gewisse konstruktive Vorgaben halten, denn die klangliche Integrität sollte gewahrt bleiben. Natürlich geschah dies alles nur mit Udos Segen. Was darauf folgte, war ein sehr langwieriger Prozess des Bauens, denn ich hatte zu dieser Zeit schon nicht mehr so viel Freizeit und war wenig zu Hause. Boxenbau mal kleckerweise. Trotzdem werde ich versuchen, das halbe Jahr noch einmal aufzuarbeiten so gut es geht und hoffe, dass meine Erinnerung mir keinen Streich spielt.
Der Einkauf
Am Anfang steht ja immer der Einkauf der Bretter und ich sag euch, da geht’s schon los. An einem schönen Samstagnachmittag, kurz vor Ladenschluss bin ich voller Enthusiasmus in den nächsten Baumarkt gestürmt, um mir schnell die paar Brettchen zuschneiden zu lassen und Spachtelmasse zu kaufen. Zu meinem Entsetzen teilte mir der zuständige Holzwurm mit, dass nicht ausreichend Holz da wäre, das müsste erst bestellt werden, dauert 2 bis 3 Tage. Gut, dachte ich mir, hab eh noch paar andere Sachen zu tun, ruhiges Wochenende, passt schon.
Nach knapp 2 Wochen und einigen Anrufen meinerseits in besagtem Baumarkt, meldete sich der freundliche Holzwurm am Telefon, das Holz wäre jetzt fertig zugeschnitten. Voller Vorfreude und Tatendrang bin ich noch am selben Tag hin gefahren um das Holz abzuholen (übrigens 19 mm MDF). Als ich jedoch am Tresen stand und der Holzfacharbeiter den Preis nannte, hat es mich fast aus den Latschen gekippt. Sage und Schreibe 56 Euro! Ein stolzer Preis! Nach kurzem Überlegen entschied ich mich dafür, das Holz zu nehmen, denn man baut ja nicht alle Tage solch stattliche Boxen und ich würde sicher dort nie wieder Holz einkaufen. Allerdings habe ich nicht versäumt vorher nachzumessen. Leider musste ich feststellen, dass abgesehen von 2 Brettchen jedes Brett zwischen 2 und 4 mm zu lang war. Mir pulsierte die Halsschlagader im Dreivierteltakt und ich hatte stark mit mir zu kämpfen. Man muss dazu sagen, dass ich normalerweise wirklich nicht schnell aus der Ruhe zu bringen bin, aber das war zu viel. Da haben die „Typen“ (muss ich jetzt mal sagen) schon eine supertolle Kreissäge an der Wand, wo das Sägemaß millimetergenau einzustellen ist und dann sind die zu faul oder zu blöd die Teile genau zuzusägen. Außerdem hatte der Angestellte nicht nur eine Teileliste, sondern auch eine ausgedruckte Skizze dazu, so dass es kein Schweres sein kann, sich an 10 Fingern ab zu zählen das z. B. die inneren Teile exakt die gleiche Breite haben müssen, weil ich sonst die 5mm Leimfuge neu erfinden muss, die das zusammen hält. AAHHRRRR!!! Nach dieser Erfahrung war ich frustriert und in Rage, die gute Laune war mir gehörig vergangen, DA SOLL NOCHMAL EINER SAGEN ICH SOLL MICH NICHT AUFREGEN! 1 Stunde Holz hacken und 2 Bier beruhigten meinen überschäumenden Geist wieder und ich war zu neuen Taten bereit.
Die Klebe-Aktion
Wer gut klebt, der gut lebt – alte Dachdeckerweisheit. Dies trifft wie gesagt auf Dachpappe genauso wie auf Lautsprecherboxen zu, alsgleich man im letzteren Fall etwas zielgenauer mit der klebrigen Masse sein sollte. Es ist ja auch kein Geheimnis, dass ich nur den absoluten Spezialkleber benutze. (Farbe: weiß, Klebefuge: bis zu 5mm). Den sollte ich nach der Zuschnittaktion wohl auch brauchen. Prinzipiell aber atme ich auch nur Luft und somit erklärt sich der Klebevorgang mit ein paar Bildern von selbst.
Ein Haufen Bretter
Die ersten Verklebungen
Da, wo ich die Ecken abschleifen werde, wird das Gehäuse innen mit schmalen MDF-Stücken hinterfüttert
Die fertige Box (muss nur noch beschwert werden)
Das sieht auf den Bildern alles so schön und einfach aus, dabei ist mir beim Kleben auch dreimal die Rückwand umgefallen, bevor alle Maße stimmten. Bin halt auch nicht so geübt darin. Falls also mal wieder was umfällt: Lachen oder laut fluchen! (alles andere wirkt unprofessionell)
Bandschleifer vs. Kreissäge
Nachdem der Leim getrocknet war, konnte es geschmeidig weiter gehen. Die Ecken, die weg sollten, entfernte ich grob mit einer Handkreissäge im 45°Winkel. Natürlich hatte ich vorher alles schön angezeichnet. Das ging auch erstaunlich gut. Ich hatte mir zwecks dessen extra noch ein neues Blatt mit ganz vielen Zähnen im Baumarkt (dem Besseren) bestellt, da für meine Säge keine vorrätig waren. Aber prinzipiell bin ich hier mit der Leistung vom Hornbach sehr zufrieden. Die Beratung war kompetent und ich kam schnell zum Ziel. Ich hebe das an der Stelle nur deshalb so hervor, da ich hin und wieder beim Einkaufen das Gefühl habe, dass der Kunde fast unerwünscht ist. Und wenn man dann noch komplizierte Frage stellt, rollen viele Verkäufer nur genervt mit den Augen. Nach dem Entfernen der Ecken wurden diese nur großzügig mit dem Bandschleifer bearbeitet um danach noch eine Schonbehandlung vom Schwingschleifer zu erfahren. Danach hab ich erstmal die Klebefugen verspachtelt. Achja. Die Spachtelmasse, die ich anfänglich im ersten Baumarkt gekauft hatte, war übrigens auch für die Tonne. Wie gesagt, nie wieder… Will sagen, dass die Masse nach dem Auftragen ein viel zu grobes Bild abgab, welches für eine anschließende Lackierung einfach ungeeignet war. Nun ja, hier nun ein paar Bilder.
Frisch gespachtelt und anschließend noch zu schleifen.
Die Oberfräsung
Da ich auf diesem Gebiet nicht so bewandert bin und auch keine eigene Oberfräse besitze, habe ich mir Hilfe bei einem Freund gesucht, der rein zufällig Tischler ist. Mit seiner Hilfe und ein paar Stunden Zeit (denn er war mit dem Einsatzgebiet scheinbar auch nicht soo vertraut) haben wir die Vertiefung für die Lautsprecher geschaffen, die Kanten nochmals plan gefräst und die Lochkreise für die Chassis gesägt. In diesem Zuge kam auch die von Udo beschriebene Kreisschablone für Oberfräsen zum Einsatz. Alles in allem eine runde Sache. Leider gibt es davon keine Bilder, ich war einfach zu beschäftigt, aber ist ja eigentlich auch keine große Sache.
Endloses Schleifen
Was danach kommt, wird jedem bekannt sein, der schon einmal eine MDF-Oberfläche lackiert hat und nachher feststellen musste, dass überall Dellen und kleine Kerben zum Vorschein gekommen sind. Also besorgte ich mir noch einmal ordentliche Spachtelmasse aus einem anderen Baumarkt. Ich hab noch mal alle Klebekanten und auch kleine Dellen verspachtelt, die durch den Bandschleifer entstanden waren. Dann musste der Schwingschleifer noch mal ran. Diese Prozedur wiederholte ich ungefähr drei- bis viermal, weil man auch immer wieder neue Stellen entdeckt. Und dann hatte ich ehrlich gesagt keine Lust mehr weiter zu schleifen.
Die Grundierung und Lackierung
Damit die Stirnseiten der MDF-Bretter sich farblich am Ende nicht vom Rest abheben, ist eine gründliche Grundierung unabdingbar. Ich habe die Boxen zwei- bis dreimal grundiert, dabei hier und da noch nachgespachtelt und geschliffen, da sich erst bei einer homogenen Oberfläche auch die kleinsten Ungleichmäßigkeiten offenbaren. Ich benutzte eine Kunstharz-Grundierung (Lack bedingt), die ich mit einer Schaumstoffrolle auftrug. Danach folgte die zweimalige Lackierung auf die gleiche Art und Weise. Leider muss ich mittlerweile feststellen, dass die Klebekanten doch ein wenig eingefallen waren, was allerdings nur bei sehr genauer Betrachtung zur Geltung kommt. Außerdem habe ich wohl doch ein paar kleine Dellen übersehen ;).Abgesehen davon war ich zu diesem Zeitpunkt bis aufs Äußerste gespannt, was denn nur aus den 2 Kisten heraus kommen würde, vorausgesetzt man legt die passende Wechselspannung an. Kurz gesagt: ICH WOLLTE ES HÖREN!
Hier also das Resultat der Lackierung (da waren sie gerade frisch zum zweiten Mal lackiert)
Den Zusammenbau der Frequenzweiche lasse ich an der Stelle weg, das könnt Ihr detailliert in Udos Bericht über die FT4 nachlesen. Ich habe mich da strikt an seine Anweisungen gehalten, die übrigens äußerst ausreichend und hilfreich waren. (da kann sich so mancher Baumarkt-Mitarbeiter eine Scheibe abschneiden!)
Die Endmontage
Als ich nach dem Löten der Frequenzweiche die Inventurliste der noch erforderlichen Teile durchging, musste ich leider feststellen, dass ein umsichtiger Mitmensch die Dämmwolle, im Irrglauben es sei unnützes Verpackungsmaterial, einfach so fachgerecht entsorgt hatte. Ich konnte es kaum glauben, aber es war wahr. Diese Tatsache trieb meinen Blutdruck wieder einmal über die 160-er Marke, was sicher nicht gesund, allerdings in diesem Augenblick unvermeidbar war. Also blieb mir nichts weiter übrig, als an Udo eine weitere E-Mail zu schreiben, mit der Bitte, mir doch die erforderliche Dämmwolle noch mal zuzuschicken, was er auch ohne zu zögern tat. Somit konnte sich mein Gemütszustand wieder normalisieren.
Ein paar Wochen später war es dann endlich soweit. Ich war wieder einmal im Lande und konnte mich der Endmontage der 2 Elefantenbabies widmen. In froher Erwartung baute ich also die Frequenzweiche und Lautsprecher ein (nicht zu vergessen die Dämmwolle!). Zwischenzeitlich hatte ich mir auch noch einen „neuen“ gebrauchten Verstärker bestellt (Technics SU-VX700), denn bis dato lieferte nur ein in die Jahre gekommener DDR-Verstärker den Ton. (wen es interessiert, die genaue Bezeichnung lautet: Stereo Heimempfänger T3, H II T3333, Stern Radio Sonneberg, mit Presspanholzchassie und Holz-Furnier-Optik, kein großes Ding und sicher auch kein Meilenstein in der Verstärker-/Radiogeschichte, der einzige Vorteil besteht vermutlich nur darin, dass das Teil auch nach 50 Jahren noch tadellos funktioniert. Ost-Technik, gemacht für die Ewigkeit ;) ) Abgesehen davon war mir sowieso nach MEHR Leistung; in Kombination mit einer sicherlich geringeren Verzerrung war mir der Technics mehr als Recht. Also schnell die Boxen angeschlossen und angetestet.
Der Klang
Einen ausführlichen Klangbericht könnt ihr gern bei Udo’s Ausführungen zur FT4 nachlesen, von mir an der Stelle nur soviel: Die FT4 sind relativ groß, sie liefern einen sehr sauberen Klang und damit verbunden guten, nicht nervenden, ausgewogenen Bass. Die FT4 spielen sehr neutral und auch sehr leise hat man einen sehr guten detailreichen Klang. Generell kann ich momentan sagen, dass ich keine anderen Boxen haben möchte, denn ich hab mich an den FT4 einfach noch nicht satt gehört. Leichte Schwächen zeigen die Boxen im Tiefbass-Bereich, aber dafür kann man sich auch notfalls noch einen extra Subwoofer in die Ecke stellen. Ein großes Lob gilt vor allem den konturreichen Mitten und den sehr klaren Höhen. Ich muss dazu sagen, dass ich zur jüngeren Generation gehöre und dementsprechend andere Musik bevorzuge, bei deren bloßem Gedanken daran sich vermutlich einigen Lesern die Nackenhaare kräuseln würden. Ich spreche hier von Elektronischer Musik, für dessen naturgetreue Wiedergabe sicher die billigsten Boxen und Verstärker taugen würden.
Das ist allerdings nicht die ganze Wahrheit. Denn prinzipiell höre ich abgesehen davon auch sehr gern Jazz, Blues, fast jegliche Art von Rockmusik und Rhytm&Blues. Das war dann auch die erste Musik, mit der ich die nagelneuen FT4 beanspruchte. Meine Lieblingsscheibe von John Lee Hooker und darauf folgend die Soundtracks zu Pulp Fiction (mein absoluter Lieblings Soundtrack) und Bube-Dame-König-Gras. Wie auch immer, es handelt sich dabei um eine Vielzahl sehr guter Musik, wie ich finde, auch echte Klassiker, und mit den FT4 konnte ich wirklich die Musik neu entdecken. Soll heißen, ich nahm Instrumente und Schwingungen wahr, die ich vorher nie festgestellt hatte. Damit stellte sich dann ein Hochgefühl in mir ein, welches jeden Cent und jeden Nerv mit irgendwelchen Verkäufern rechtfertigt.
Mit besten Grüßen
Johannes
Dieser Bausatz ist leider nicht mehr lieferbar und wird in Kürze durch einen Nachfolger ersetzt.
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