|
Wie man an den vielen Leser-Bauberichten sieht, dauerte es nicht lang, bis die BlueNote zum beliebtesten Bauvorschlag meiner Eton-Boxen geworden ist. Nicht immer wurde sie in der einfachen Kastenform aufgebaut, besonders viel Mühe gab sich Jogi, der seine Seitenflächen mit einer eleganten Rundung versah. Damit auch andere sich trauen, solche Schmuckstücke selbst herzustellen, hat er einen ausführlichen Bericht mit einer ganzen Menge an Fotos zum Bau geschrieben. Dafür mein herzliches Dankeschön.
BlueNote, eine runde Sache
Baubericht einer BlueNote mit runden Seitenwänden
Ich fange mal an, wie man zur Entscheidung kommt, sich einen Lautsprecher zuzulegen. Etwas mehr als 4 Jahre beschäftige ich mich mit dem Thema Lautsprecher-Selbstbau. Habe in dieser Zeit einige Projekte verwirklicht und auch selber konstruiert, wie man auf meiner Homepage http://www.joergmohnke.de/ sehen kann. Im „highendigen“ Bereich verlasse ich mich aber lieber auf die bestehenden Bausätze. Wenn man sich so lange mit der Materie beschäftigt, landet man früher oder später (leider meistens später), bei Udos (Udo Wohlgemuth) Konstruktionen. Wer ihn dann noch persönlich kennen gelernt hat, ist sich dann sicher, gut aufgehoben zu sein.
Wenn man nun den Einen oder Anderen Euro anlegt, sollte es natürlich auch optisch etwas her machen. Udo fertigt seine ganzen Projekte in einfacher Ausführung aus, um zu beweisen, dass man auch mit minimalem Aufwand einen Highend-Lautsprecher basteln kann. Warum soll man nun nur eine einfache Form des Lautsprechers bauen, eine runde Seitenwand sieht viel eleganter und nicht so kastig aus. Die meisten werden nun sagen, „das kann ich nicht“, ich sage, es geht - auch mit einfachen Handwerksmitteln. Nur Mut an alle, die so etwas vorhaben. Um euch den Weg leichter zu machen, schreibe ich mal einen Baubericht.
Als erstes sollte man sein Werkzeug mal überprüfen und eventuell ergänzen. Was wird benötigt: Oberfräse Fräszirkel Tischkreissäge 5 Spanngurte 7 große Schraubzwingen 5 kleine Schraubzwingen Elektrohobel (optional) Bandschleifer (optional) Normale Ausrüstung für Heimwerker Ich besitze auch keine Profigeräte, meine Tischkreissäge hat etwas über 100 € gekostet. Auf ähnlichem Niveau befinden sich meine anderen Geräte, teilweise sind es auch die Billigmarken, die auch gut funktionieren, aber etwas länger zum Einstellen brauchen.
Am Anfang stehen die Planung und die Volumenberechnung der runden Box. Hierzu muss man etwas Mathematik betreiben. Die Formeln dazu findet man bei Wikipedia:
•Länge eines Kreisbogens

Die 2 in der Formel lässt sich gegen 360 kürzen. So entsteht die etwas kürzere Formel:

Fläche eines Kreisausschnittes (Sektor)

Fläche eines Kreisabschnittes (Segment)

Oder im Bogenmaß:

Hiermit kann man das Volumen berechnen.
Die Planung ist auch sehr wichtig, um sich mit dem Projekt und der Ausführung zu beschäftigen. Mein Plan sah dann am Ende so aus:
Diese Zeichnung ist mit Absicht so klein, denn jeder sollte sich hier selber Gedanken machen. Wenn jemand den Plan will, kann der ihn gerne bei mir anfordern. Ich übernehme aber keine Garantie für die Maße. Mein Radius beträgt für die Rundung 44cm. Die breiteste Stelle der Box ist bei mir nicht vorne an der Schallwand, sondern etwas weiter hinten.
Wenn der Plan feststeht, geht es an die Umsetzung. Als erstes geht es darum, eine Schablone zu erstellen, mit der man die waagerechten Zwischenwände formt, um die nachher die Seitenwände gebogen werden. Diese Frässchablone habe ich aus 3-5mm starkem MDF gefertigt. Achtung, man muss die Größe der Kopierhülse und des Fräsers beachten.
Die inneren Aussparungen, die bei den meisten Zwischenwänden gebraucht werden, habe ich erst später gefräst wegen der Stabilität. Diese Schablone habe ich dann mit 2 Spaxschrauben auf dem „Rohling“ befestigt und mit der Kopierfräse die Zwischenplatten gefräst. Das waren pro Box 7 Stück und damit ganz schön Arbeit. Danach wurden die Aussparungen gefräst und die Abteilplatte für die HT- und MT-Kammer gefertigt. An diese Zwischenwände wurde dann die Front.- und Rückwand angepasst, sprich leicht auf Gehrung gesägt. Wenn man dann alles zusammensetzt, sieht es so aus:

Geleimt wurde alles nach Udos Leimmethode mit Fugenleim. Mit der Ausnahme, dass ich beim Aufsetzen der Rückwand Schraubzwingen verwendet habe, um kleine Differenzen wegzuspannen.

Auf diese Frontwand wird nachher noch die eigentliche Schallwand aufgesetzt. Trotz alle dem muss man hier ja auch schon die Chassisöffnungen einfräsen. Hierfür habe ich mir nach Udos Anleitung diesen Fräszirkel gebaut. Für das Fräsen der HT-Einheit habe dann Udos geniale, variable Frässchablone gebaut.
Damit wurden dann die Chassisöffnungen eingefräst.

Jetzt kommen die Seitenwände dran. Hier verwendete ich 3 mm MDF Platten. Pro Seite 7 Stück. Wie man das aufspannt, sollte man üben. Besonders bei der ersten Platte ist ein optimaler Kontakt zu beachten, dass später alles dicht ist.
Hierzu habe ich eine Grundkonstruktion, wie ein L. Nachdem genügend Leim auf die Verbindungsstellen aufgebracht wurden, lege ich den ersten, der 5 Spanngurte um den Lautsprechern. Die Seitenwand wurde davor mit 2 Nägeln fixiert, dass sie nicht verrutschen kann. Dann habe ich einen Abziehscheit (Nummer 3), womit normalerweise Wände beim verputzen gerade zieht, vorne unter den Gurt gelegt und hinten eine dreieckig zugesägte Holzleiste (Nummer 4).
Die vordere Leiste wurde mit drei Schraubzwingen festgemacht. Danach wurden die anderen Spanngurte angelegt. Damit das überstehende Holz nicht abbricht, habe ich vorne und hinten (Nummer 1 und 2) eine Leiste angebracht, die über die Seitenwände steht. Nachdem die Spanngurte angezogen wurden, habe ich die Holzleiste mit einen Hammer nach hinten geklopft, um auch hier die Spannung hinzubekommen. Kontrolle war bei den Seitenwänden immer, dass der Leim herausquoll. An den Seiten habe ich aus Resten, die von den Zwischenwänden übrig waren und genau die Rundung hatten, die Abschlüsse der Seitenwand gepresst. Dies durfte ich dann pro Seite 7-mal, sprich insgesamt 28-mal machen. Nachdem die erste Seitenwand fertig war, habe ich an allen Fugen mit Montageleim das Ganze noch abgedichtet. Auch habe ich an den Innenseiten Weichfaserplatten angebracht, wie auch auf der anderen Seite. Um sie an die Wölbung zu gewöhnen, habe ich sie mit dem Messer angeritzt und dann leicht gebrochen, so dass sie an der Seitenwand anliegen und mit Kleister für schwere Tapeten angeklebt werden können.

Nachdem alle Seitenwände aufgebracht sind, sollten die überstehenden Reste gekürzt werden und die Rundungen geschliffen werden. Die groben Überstände habe ich mit der Kreissäge entfernt. Den Rest habe ich mit der Oberfräse plan geschliffen. Oben habe ich eine 22mm und unten eine 10mm Platte darauf geklebt um einen sauberen Abschluss zu bekommen. Dann habe ich mit dem Elektrohobel die Radien grob vorgehobelt und den Rest per Hand geschliffen.

Nach dem man die Box dann gespachtelt und verschliffen hat, kann man das Ganze schon furnieren. Da man runde Flächen hat, scheidet die Pressmethode aus und man bügelt das Furnier am besten auf. Die Bügelmethode ist auf Udos Seiten ausführlich beschrieben. Kleiner Tipp, um zu sehen, ob das Furnier haftet, mit den Fingernägeln leicht über die Fläche streicht. Wo sich das Geräusch hohl anhört, darf man noch mal bügeln.

Bei meinem Plan habe ich eine aufgesetzte Schall und Rückwand. Hat den Vorteil, wenn man sich verfräst, ist nicht die ganze Box im Eimer. Wie man die beiden Wände herstellt, brauche ich ja nicht erklären. Hier nur ein paar Bilder.

Da ich den Lautsprecher mit Bassreflexkanal baue, durfte ich noch mit einer Frässchablone die Öffnung dafür ins Gehäuse fräsen.

In den vielen Wartezeiten kann man die Frequenzweiche basteln. Ich habe sie auf 2 Brettchen verteilt. Wie man die Frequenzweiche baut, kann man auch auf Udos Seiten nachlesen.

Nun habe ich den Korpus lasiert und Front, sowie Rückwand mit schwarzem Lack gestrichen.

Nun wurden Schallwand sowie die die Rückwand aufgeleimt.

Nun wurden Frequenzweiche, Polklemmen, die Dämmung und die Chassis montiert.

Fertig.
 
Hörbericht: Mir ist sonst immer einiges zu meinen LS eingefallen, weil sie Teile der Wiedergabe sehr gut machten und diese mir dann aufgefallen sind. Die BlueNote spielt über das gesamte Spektrum mit einer Leichtigkeit und man hat immer den Eindruck, sie ist noch lange nicht an ihrer Grenze. Man hört öfters, die BlueNote ist so ehrlich, dass schlecht aufgenommene CDs durchfallen. Ich sehe das anders, sie macht aus diesen CDs keinen Opus, aber zu all meinen anderen LS klingen diese CDs hier am besten. Auch wenn man meint, der Tieftöner kommt einen auf dem Sofa besuchen(Langhuber), der spielt ohne große Verzerrungen sein Bassfundament und dass auch bei sehr geringer Lautstärke. Die BlueNote kann sehr große Dynamik wiedergeben und das ohne einen bei den lauten Passagen zu erschlagen. So wenig wie ich zur Zeit am Lautstärkeregler drehe, habe ich es noch nie gemacht. Bei den Höhen war ich auch sehr überrascht. Man hört und es ist einem angenehm im Ohr. Obwohl Musik läuft, ist es wie Stille, ich meine damit, das Ohr und das Gehirn können absolut unangestrengt hören. Die Mitten tun ihr Eigenes dazu, sie verbinden perfekt die Tiefen und die Höhen. Die Art, wie die Box abbildet ist super. Bestimmt wird die Bühne nach einiger Einspielzeit noch etwas tiefer und gestaffelter. Aber jetzt gibt es schon kein Gedränge auf der Bühne, jeder hat seinen Platz.
BlueNote und die Röhre Destiny EL34 Ich kann nur sagen, die sind füreinander bestimmt. Egal ob Pop, ob Klassik, Gesang, Gitarrenmusik, sie spielen einfach richtig zusammen. Wenn man lauter dreht, geht das immer so weit, wie es die Musik verträgt. Ich will damit sagen, beim lauter Drehen, wird die Musik nie unangenehm, sondern nur druckvoller. Wenn ein bestimmter Punkt erreicht ist, hat man das Gefühl, die Musik sollte man eigentlich nicht lauter hören vom eigenen Gefühl. Ich könnte stundenlang Klassik hören. Mich hat Klassik noch nie so lange an die Stereoanlage gefesselt, aber jetzt. Ich habe früher mal in einer Theater- und Konzerthalle gearbeitet in der Ton- und Lichtregie. Sonntags war stets klassisches Konzert. Das war für mich immer so entspannend. Dieses Gefühl habe ich jetzt wieder. Man hört, aus welchem Material das Musikinstrument gefertigt ist. Ich meine auch zu hören, vielleicht bilde ich mir es auch nur ein, bei einem Flügel die Tiefenstaffelung zu hören, wenn Ton hoch oder tief ist. Also weiter bei mir oder weiter weg angeschlagen wurde. Die BlueNote fällt auch nicht auf, weil sie irgendetwas besonders kann, sie macht nur die meisten Sachen in meinen Ohren richtig. Als Fazit kann ich sagen, es lohnt sich, in solch einen Lautsprecher zu investieren. Ich kann mir gut vorstellen, dass die ganze Eton-Familie in diese Richtung klingt. Aber vielleicht liegt der gute Klang ja nur an meinen runden Gehäusen.
Ich freue mich jeden Tag, über diese Lautsprecher zu hören. Und immer geht der Fuß und teilweise noch mehr vom Körper mit der Musik mit. Ich denke, das ist das wichtigste Zeichen für einen guten Lautsprecher.
Herzlich bedanken möchte ich mich hier bei Udo, der mich zu jeder Tages- und Nachtzeit beraten hat und immer den richtigen Tipp für mich hatte.
Bis dann Euer Jogi 42
|