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Gehäuse
Um nicht zu lange und zu oft mit Worten zu wiederholen, wie man ein paar Bretter zusammenleimt, habe ich den Zusammenbau der Gehäuse mit weitgehend selbsterklärenden Bildern dokumentiert.
 
 
 
 
Als ich mir die ersten Gedanken zum Gehäuse machte, war zwar klar, dass es zwei P150/ 2226 sind, die es mit dem SD990N plus Horn aufnehmen wollen. Doch wie ordnet man die Basskisten an? Jeder Tieftöner beansprucht 80 Liter Reflex-Volumen für sich allein, sie dann nebeneinander zu stellen mit Horn in Ohrhöhe obendrauf, ist etwas schwachsinnig, wenn die Trennfrequenz nicht unterhalb von 100 Hz liegen soll. Übereinander stehend wäre gegangen, wenn davor nur Riesen sitzen sollen. Die Lösung war ganz einfach: Zwei Bretter als Seiten, darauf geklebt zwei weitere als Stützen und Anstandhalter bildeten das Gerüst, indem beide Boxen das Horn umrahmten. Bei dem vorgegebenen Abstand der Basszentren von D’Appolito-Optik zu sprechen, wäre in der Tat etwas sehr weit hergeholt.

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Bauplan

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Weiche
Kommen wir nun zum interessantesten Teil der Entwicklung, der Weiche. Zuerst muss ich gestehen, dass mein Messraum nicht besonders gut für Boxen des Kalibers “Hochkant stehendes Sideboard” ausgelegt ist. Als ich die Räumlichkeiten einrichtete, war es eher mein Ziel, wohnraumgerechten Konstrukten mit mehr WAF auf den Zahn zu fühlen. Messabstände von einem Meter, die sich, warum auch immer, eingebürgert haben, sind dort kein Problem. Wenn jedoch das Maß Zentrum - Zentrum der Bässe mehr als 120 cm beträgt, ist ein Meter kaum besser als nichts. Also rückte ich mit dem Tonaufnehmer so weit nach hinten, wie es der Raum zuließ, wohl wissend, dass ich mir dabei eine Menge Indirektschall mit einfange. Die beiden deutlichen Senken unterhalb von 1000 Hz zum Beispiel sind die Bodenabbilder der beiden Bässe. Über diese Missstände hinwegzusehen, fällt mir leicht, ich kenne ja die Ursache, die nicht in falschem Spiel der Box zu finden ist. Du, lieber Leser, musst mir dagegen glauben, dass die scheinbar unschönen Linien in Wirklichkeit recht glatt verlaufen. Sie mit einem Stift des besseren Aussehens wegen gerade zu ziehen, wäre leicht gewesen, Vorgaukeln zur Augenberuhigung ist aber nicht mein Ding. Lieber stehe ich guten Gewissens zu (oder neben) dem, was ich verbrochen habe, selbst wenn man mich dafür prügelt.
Für die Weichenauslegung gab es theoretisch mehrere Alternativen. Zum einen könnte der untere Bass nur tiefe Töne abstrahlen, um mit dem oberen zusammen ein Fundament zu schaffen, das die 100dB-Linie knapp verpasst. Dagegen spricht die dann große Entfernung des Basses zum Mittelton und die angestrebte Trennung um 700 Hz. Besser ist es da, wenn sich beide P150 die Arbeit komplett teilen und das gesamte Frequenzband bis zur Übergabe an den SD990N gemeinsam beackern. Durch die Addition des Schalls erhalte ich so ein virtuelles Zentrum mitten im Horn, wodurch die Stimmwiedergabe nicht in Stücke gerissen wird.
Vor allen weiteren Aktionen habe ich die Impedanz der parallelen Bässe mittels CR-Glied geglättet (lila). Dann schaltete ich vor die Bässe eine 2,2 mH Spule und erhielt schon einen respektablen Pegelabfall oberhalb von 200 Hz (grün). Um es dem Auge ein wenig leichter zu machen, sollten wir uns sinnvollerweise die Senken wegdenken und sie gedanklich durch eine Linie durch die Spitzen ersetzen. Ein dicker Elko sorgt für eine noch steilere Filterung (rot), die nur noch durch eine weitere 1,5 mH Spule komplettiert wurde. Ihre Notwendigkeit wurde aber erst mit dem Aufbau der Hornweiche klar, denn sie sorgte für die passende Phasenlage im Trennbereich. Auf den ersten Blick glaubt man eigentlich nicht, dass jemals aus der hellgrünen Kurve etwas zu den Bässen Passendes ergeben könnte. Dass die flache Filterung mit 22 µF (orange), und dann erst recht nicht die zusätzlich Aufbeulung durch die 1,0 mH-Spule (lila) schon die gesamte 12dB-Weiche für den SD990N sein könnten, erscheint noch irrsinniger. Fast 30 dB Pegelabfall zwischen 1 und 10 kHz sind doch niemals durch einfache Maßnahmen wettzumachen! Doch, es geht! Wünschenswert ist ein Schalldruck von etwa 100 dB, den ein Spannungsteiler aus 15 Ohm Vor- und 3,3 Ohm Parallelwiderstand zwischen 1 und 2 kHz bewirkt (grün). Da ich zu höheren Frequenzen viel weniger Pegelverlust benötige, mache ich erst den Vor-Mox durch Zuschaltung eines Kondensators frequenzabhängig. kleiner (rot), dann den parallelen mit einer nachgelegten Spule größer (blau). Den verbleibenden, schmalbandigen Einbruch um 8 kHz, der für große Hörner und Zweitzolltreiber nicht selten ist, beachte ich nicht weiter. Ihn mit einem lauten Schlitzstrahler aufzufangen, der irgendwie vor den Mittelpunkt des PH 760 gesetzt wird, würde bestenfalls einem Messfetischisten einfallen. Lassen wir wieder die virtuelle Linie über die Spitzen der roten Kurve verlaufen, sehen wir im Zweigediagramm, dass die Trennfrequenz von 700 Hz fast punktgenau getroffen wurde. Die Summenkurve liegt dort mit idealer Addition um 6 dB über den Einzelzweigen. Die leichte Senke um 2 kHz entschärft vorlaute “S”- und “F”-Laute. Damit die Männerbox auch mit den sanft glimmenden Spielzeugen harmoniert, denen auch poplige drei Watt Leistung ausreichen, habe ich den Impedanzberg in den Mitten mit 4,7 Ohm, 10 µF und 0, 27 Ohm geglättet.

Klang
Es gibt Momente, da wünsch ich mir ein kleines Warenlager mit verschiedensten Verstärkern, die je nach Zweck die eine oder andere Eigenschaft haben. Zur Hörprobe wäre mir eine 300B-Röhre recht gewesen, die im Triodenmodus mit ihren lächerlichen 5 Watt angibt, aber Stimmen zaubert, dass einem beim Musikhören das Sehen ruhig vergehen darf. Hatte ich aber nicht, so musste ein 6V6 herhalten, der es immerhin auf gigantische 12 Watt bringt und mir zu diesem Einsatz von Destiny-Audio ausgeliehen wurde. Da ich auch noch einen alten Thorens-Plattendreher nebst einigen schwarzen Scheiben im Laden fand, war die Frage nach den Signallieferanten für die Hörprobe geklärt Allerdings hätte ich daran denken sollen, dass der Lautstärkeregler für ordentlichen Pegel weit weniger aufgedreht werden muss als sonst gewohnt. 102 dB aus großen Flächen sind schon eine unglaubliche Macht, die man an einen geschlossenen Raum mit wenigen Milliwatt anpasst. Wenn sie ohne jede Vorwarnung gleich mit 5 Watt gefüttert werden, kann man ordentlich erschrecken. Klaviersonaten, dezente Barmusik oder wunderschön dahergehauchte Einfühlsamkeit war jetzt natürlich nicht angesagt, Männerboxen brauchen Männermusik! Also schnell die alten Scheiben mit Live-Rock durchgesehen und gleich die erstbeste auf den Platten Teller, der sich schon drehte. Ich muss gestehen, so war es gar nicht, denn wenn ich endlich mal wieder Boxen dieses Formats genießen darf, wird gezielt nach “Child in Time” von Deep Purples “Made in Japan” gesucht. Das war auch schon das richtige Wort, denn das macht Sucht! Der Applaus, das Schmatzen der ollen Orgel, dazu die drei stetig wiederkehrenden Bassdrumschläge der immer schneller marschierende Bass, das schrille Schreien des Sängers vor dem Instrumentalteil, in dem schnell die Gitarre das Kommando übernimmt und sich in den schönsten Rausch der Rockgeschichte spielt, um dann abrupt mit sanften Klängen von der Orgel bezähmt zu werden. Ich saß schon lange nicht mehr auf meinem Sofa - Live dabei, alles an mir war in Bewegung, Arme, Beine Kopf, die Gänsehaut. Keine Boxen, keine Röhre, keine schwarze Konserve - Deep Purple waren tatsächlich auf der Bühne und nicht nur die Japaner, die vor dreißig Jahren davor tanzten, waren entzückt. Ein schnelles Ende der Hörnacht war nicht geplant, und so kamen sie alle in meinen Laden marschiert, die heute der Jugend meist nur noch als Legenden bekannt sind: Jethro Tull, Led Zeppelin, Rory Gallagher, Peter Green’s Fleetwood Mac, Ike and Tina Turner, Janis Joplin, natürlich The Doors, der berühmte Schrei von Joe Cocker und viele andere, die ihre Musik so präsent in meinen Bauch brachten, wie es nur damals in den wilden 70ern geboten wurde. Enttäuschen muss ich diejenigen, die an dieser Stelle eine objektive Beschreibung der Dynamik, Ortbarkeit, Raumabbildung oder Klangfarben bevorzugt hätten. Lebensgefühl, Spielfreude und Mitreißen, das ist es, was die Männerbox vermittelt. Dafür wurde sie gebaut und damit überbrückt sie am Ende dann wieder die scheinbar so unüberwindbare Kluft zwischen Männern und Frauen.
Udo Wohlgemuth
Technikseite
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