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“Manchmal sind die Dinge gar nicht so, wie man sich’s vorgestellt hat, sondern besser...!” sang das Mädel gerade in meinem Radio (natürlich habe ich dafür GEZahlt!). “Wie recht du hast!” dachte ich, denn ich machte genau in dem Augenblick den Karton mit dem neuen Seas Exotic F8 auf. Vorgesehen war er für den Chassistest, das ging nun nicht mehr, er ist ganz sicher einen eigenen Artikel wert, auch wenn es diesmal noch keinen ausgearbeiteten Bauvorschlag mit ihm gibt.
  
Eine Besonderheit, die man sich so heute gar nicht mehr vorstellt, gibt der Entstehungsgeschichte des F8 noch ein gutes Stück mehr an Exotik: Das Chassis wurde nicht allein von jungen Technokraten mit ihren neuartigen Messvorrichtungen auf ein bisher nie erreichtes Maß an theoretischer Richtigkeit getrimmt. Als Traditionalisten, was die Norweger nun einmal sind, erinnerten sie sich an die Vorzüge der praktischen Erfahrung und holten sich die Hilfe ihres in Ehren ergrauten, alten Chefentwicklers ein, der noch alles über die schon vor mehr als 50 Jahren auch von Seas produzierten Breitbänder wusste.
Jeder der einen Lautsprecher entwickelt, sollte ein Ziel vor Augen haben, warum er sich eine solche Aufgabe stellt. Nun, auch das hatte mit der Erfahrung derer zu tun, die die Geschichte des Lautsprecherbaus am eigenen Laib erfahren hatten. Begonnen hat alles vor mehr als 100 Jahren mit Oliver Lodge, einer fest stehenden Spule und wackelndem Eisenkern, der Töne von sich gab, wenn Strom durch die Spule floss. Nachdem Wente und Turas im Jahre 1925 die heutige Form des dynamischen Lautsprechers erfunden hatten, blieb lange Zeit die Übertragung der Signale einem einzelnen Chassis vorbehalten, dass vornehmlich Stimme, also Mitten wiedergab. Ein paar Hilfsbretter, die zu einer großen Kiste zusammen gefügt tiefen Tönen eine Heimat gaben, wurde später hinten an das Schwingsystem angehängt, Das war’s dann für Jahrzehnte.
Als Seas 1950 gegründet wurde, war es noch immer der Breitbänder, der den Ton angab, der da schon seit geraumer Zeit mittels Radio aus dem Äther ins Haus kam. Leistungsschwache Verstärker verlangten nach wirkungsgradstarken Lautsprechern, die dazu wiederum mit leichten Membranen und ordentlichem Antrieb ausgestattet werden mussten. Darunter litt natürlich die Fähigkeit, tiefe Töne mit ausreichendem Pegel abzustrahlen, die Größe der Membran schuf zudem im Hochtonbreich enge Grenzen. Mit Einführung der Transistortechnik war Verstärkerleistung kein Thema mehr und man ging allmählich dazu über, Chassis mit Spezialaufgaben zu versehen. In den 60er Jahren wurde mit der DIN 45500 der Begriff “HiFi” für elektroakustische Geräte definiert. Gefordert wurde eine Übertragungsbandbreite von 40 bis 12500 Hz mit maximal 1 % Klirr, was heute von fast jedem Radiowecker erfüllt wird. Zwei- und Dreiwege-Boxen wurden dem damaligen Anspruch eher gerecht und eroberten nach und nach das Wohnzimmer, wo sie die üblichen Musiktruhen mit eingebautem Lautsprecher mit Einführung der Stereophonie rasch ablösten.
Lange schien es so, dass die alten Pappen somit ausgedient hatten und nur noch auf dem Müllplatz einen angemessenen Platz einnehmen dürften. Doch wie es mit dem Menschen und seiner Nostalgie nun einmal ist, trauerte die eingeschworene Gemeinde Ewiggestriger ihrem unverwechselbaren Klang dann plötzlich doch noch nach. Vom Sperrmüll holte man die grünen, gelben oder grauen, runden oder ovalen Chassis zurück und startete einen neuen Siegeszug der alten Werte mit nahezu unglaublichen Preisen dank eines großen weltweit tätigen Internet-Auktionshauses, mit dem man nicht nur, aber besonders schnell die Musikfreunde im fernen Osten erreichte. Paare von 50 Jahre alten, aus Dampfradios heraus operierter Sabas, Philipps oder Telefunken, die mangels Stereo nie zusammen gehört hatten, wurden nicht selten für 3000 Euro ersteigert, nur weil der Verkäufer seiner Ware Funktionsfähigkeit bescheinigte. Wen soll es da wundern, dass sich eine zwar große, aber durch kleine Arbeitsgruppen bewegliche Firma wie Seas daran machte, diesen Nischenmarkt mit einem neuen Exoten mit altvertrauten Klangeigenschaften zu bedienen.
Also erfand man den Exotic F8, einen 22er Breitbänder, der alten Traditionen folgt. Da man aber schon allein wegen der bisher erfolgreichen, engen Kooperation mit Wolfgang Klippel keineswegs auf neue Erkenntnisse verzichten wollte, verbesserte man alles, was dessen würdig war. Wer es nun genau nimmt, stellt fest, dass alle verwendeten etwa 28 Einzelteile neu konzipiert und eigens für den F8 entwickelt wurden. Angefangen hat man bei der Membran, die aus extrem leichter, geprägter Pappe mit beigemischten Papyrusfasern besteht. In deren Mitte hat man eine kleine Staubschutzkalotte geklebt, die einen Flirrkonus aus steifem, aber dünnem Papier zur Verstärkung der Hochtonfrequenzen aufgesetzt bekam. Statt wie früher üblich die Sicke aus dem Membranmaterial weiterzuführen, entschieden sich die Seas-Ingenieure für eine extrem leichte, sehr bewegliche Sicke aus Gummi, die einen enormen Hub erlaubt. Dem zuträglich ist auch die neukonstruierte Zentrierspinne aus durchsichtigem, imprägniertem Stoff, die flach in einem hochgestellten Ring weit über der als Vulkankegel ausgebildeten Polplatte liegt. Darin eingewoben sind die Zuführungen zur Schwingspule, damit sie selbst bei heftigsten Auslenkungen nicht gegen die Membran schlagen können. Damit hatten die Techniker natürlich noch nicht genug der für Breitbänder dringend nötigen Gewichtsersparnis erreicht. Also kümmerte man sich ausgiebig um den Antrieb der Membran, sprich Schwingspule. Es gibt zwei Arten, für linearen Hub zu sorgen. Entweder wird viel Draht auf einen Trägergewickelt, der beidseitig weit aus dem Luftspalt schaut, oder der Luftspalt wird hoch und die Wicklung schmal. Den zweiten Weg wählten die Seas-Konstrukteure, er spart mehr sehr viel Gewicht. Der schon angesprochene Kegel bringt die Luftspalthöhe auf immerhin 12 mm, bei 7,8 mm zweilagiger Wickelhöhe kann die Membran somit linear um 4,2 mm auslenken. Der Spulendurchmesser von 26 mm ist ebenfalls ein guter Kompromiss zwischen Antriebskraft und Gewicht wie der Träger aus Glasfaser. Die bewegte Gesamtmasse addiert sich auf ganze 10 Gramm, für ein 20 cm Chassis ganz schön wenig.
Der Magnetring, markant rot eingekleidet, ist doppelt so dick wie die üblichen 20 mm. Heute nahezu unbezahlbar ist sein Werkstoff, das für starke Magnete bekannte Alnico, über das Wikipedia sagt: “Alnico ist eine Legierung aus Eisen, Aluminium, Nickel, Kupfer und Cobalt. Aus Alnico werden Permanentmagnete hergestellt, die Magnetfeldstärken von bis zu 0,15 Tesla (1500 Gauß) aufweisen können, das ist etwa das 3000-fache der Stärke des Erdmagnetfelds. Hergestellt werden sie durch Gusstechniken oder Sintern.” Ihren Nachteil der höheren, elektrischen Leitfähigkeit gegenüber Ferriten, die bei Wechselstromanwendungen größere Wirbelströme induziert, glichen die Norweger mit verkupferten Kappen beidseitig zum Luftspalt wieder aus.
 Hergestellt wird der F8 nicht von irgendwelchen, seelenlosen Maschinen, die meisten Arbeiten erledigen Menschenhände. So ist es kein mieser Verkaufstrick, dass auf der durchbohrten, hinteren Polplatte eine Seriennummer eingestanzt ist. Alle Chassis werden nach Fertigstellung von Bente Fjerbæk in einem 60 Liter großen, geschlossenen Testgehäuse im schallarmen Raum in einem Meter Abstand mit 2,83 V auf Achse gemessen und der individuelle Frequenz- und Impedanzschrieb jedem Exemplar beigelegt. Für die Richtigkeit aller Angaben garantiert Bente mit handschriftlicher Unterschrift auf dem mit Datum und Seriennummer versehenen Din-A4-Blatt
Natürlich habe ich auch das Chassis selbst vermessen, etwas anderes hätte mir wohl auch jeder Leser übel genommen. Hier sind die Diagramme, die auf meiner neuen Schallwand unter den im Chassistest genannten Bedingungen erstellt wurden.
Angesichts der Gleichheit der Amplituden- und Impedanzkurven kann es keinen Zweifel geben, dass Bente und ich das gleiche Chassis gemessen haben. Die K2-Klirrspitze, die besonders bei der 100 dB-Darstellung aus den ansonsten flach am Boden liegenden Kurven herausragt, ist allerdings eher auf noch nicht lokalisierte Instabilitäten meiner Messwand zurückzuführen.
Die kleinen Unterschiede in den Parametern ergaben sich aus unterschiedlichen Messbedingungen. Während bei Seas mit 2 V und einer zweiten Membran als Zusatzgewicht gearbeitet wird, muss ich mich mit 0,7 V und 10 Gramm aufgelegter Fotoknete begnügen.
| Chassishersteller: |
Seas |
| Preis: |
749 Euro |
| Artikelnummer: |
1381071 |
Messungen des F8 als Zip-Datei
Parameter:

| Fs |
31,6 |
Hz |
| Diameter |
168 |
mm |
| ZMax |
53,83 |
Ohm |
| Re |
5,7 |
Ohm |
| Rms |
0,56 |
kg/s |
| Qms |
4,35 |
|
| Qes |
0,51 |
|
| Qts |
0,46 |
|
| Cms |
2,07 |
mm/N |
| Mms |
12,25 |
Gramm |
| BL |
5,21 |
Tm |
| VAS |
141,7 |
Liter |
| dBSPL |
91,6 |
dB |
| L1kHz |
1,03 |
mH |
| L10kHz |
0,14 |
mH |
| SD |
222 |
cm² |
| MMD |
10,4 |
Gramm |
| Zmin |
6,62 |
Ohm |
|