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Frequenzweiche
Es gibt verschiedene Methoden, Frequenzweichen zu entwickeln. Der eine nimmt die Messungen des Herstellers und packt die in das Simulationsprogramm seines Vertrauens. Die ermittelten Werte baut er zusammen und freut sich, dass aus seinem Hochtöner hohe und aus dem Tieftöner tiefe Töne zu hören sind. Zu mehr ist diese Bauweise nicht nützlich. Ein gangbarer Weg ist das Einlesen der selbst erstellten Messdaten in die Simulation, dann möglichst viele Schaltungen frei zu geben und das Programm auf „Optimieren“ zu stellen. Dies führt zum mindesten zu einem brauchbaren Ergebnis mit recht glattem Frequenzgang. Beim Nachmessen müssen meist nur noch wenige Anpassungen vorgenommen werden, damit Simulation und Wirklichkeit übereinstimmen. Leider verführt dieses Vorgehen oft dazu, alle, also auch die kleinen Peaks aus dem Schrieb zu entfernen. In der Menge der Bauteile verirrt sich häufig das Signal und kommt nur noch schlapp aus den dafür vorgesehenen Membranen heraus. Es braucht auch bei dieser Art der Weichenentwicklung eine Menge Erfahrung, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Der große Vorteil liegt dann in der nicht benötigten Menge an Bauteilen, deren Beine nach einigen Einsätzen, einfach im völlig falschen Moment abbrechen. Doch es sei nicht verschwiegen, dass selbst diese Betrachtung, obwohl auf den ersten Blick plausibel, die Wahrheit nur zur Hälfte trifft. Um Erfahrung zu sammeln, wird man kaum um den Aufbau vieler Weichen herumkommen und dafür braucht man eine Menge an Hardware in Form von Spulen, Kondensatoren und Widerständen. Da zudem nach der Simulation gemessen werden muss, kann man, wiederum Erfahrung vorausgesetzt, auch sofort mit den Messungen beginnen und sich die Dateneingabe in den Computer ersparen. Dies ist meine Arbeitsweise.
Schon bei der Messung des Frequenzgangs des CA 12 RCY fiel uns der markante, durch den Baffle Step bedingte Buckel um 800 Hz auf, dem unmittelbar eine ordentliche Senke bei 1,8 kHz folgte (grün). Diese Eigenart beobachten wir nun schon seit einiger Zeit bei allen neuen Pappmembranen von Seas.
Nun ist es kein Verbrechen, mit einem Sperrkreis im Signalweg den Berg auf das Niveau des Tals zu bringen und dahinter mit der restlichen Weiche einen glatten Frequenzgang auf Kosten des Pegels zu erzwingen. Hier sollten wir uns aber klar machen, dass wir lediglich einen Lautsprecherzwerg vor uns haben, der viel zu dünn klingt, wenn er mit dem vollen Mittenprogramm aufwartet. Es war keineswegs das Ziel des Chassisentwicklers, mit dem CA12 RCY einen Mitteltöner zu erzeugen. Ein wenig Basseindruck und Grundtonwärme sollte der Kleine schon vermitteln, da kann der Pegelschwund schon recht hilfreich sein. Also versuchten wir erst gar nicht, die Mitten aufzufüllen, sondern filterten gleich mit 2,2 mH (rot) und 4,7 µF (blau). Dies ließ auch die Resonanzen bei 7 und 9 kHz so tief absacken, dass sie nicht störend in das Klanggeschehen eingreifen können.
Die schmale Schallwand verursacht bei 3,5 kHz eine tiefe Kerbe in der Amplitude des NoFerro 800 TV, den wir für einen der besten Hochtöner auf Kalottenbasis halten (lila). Das bekümmerte uns allerdings auch nicht weiter, denn schon bei der 15-Grad-Kurve ist sie verschwunden. Zuerst senkten wir seinen Pegel mit einem L-Regler aus 3,3 und 4,7 Ohm um etwa 7 dB (grün). Mit 4,7 µF (orange) und 0,33 mH (rot) fiel mir der Schrieb zu tiefen Frequenzen etwas früh ab. So ersetzten wir den Kondensator durch 5,6 µF und war mit dem Ergebnis zufrieden (blau).
Die Summe beider Filter ergab bei gleicher Polung eine Mittensenke von fast einer Oktave Breite, die Stimmen ein wenig nach hinten zwingt und dadurch Raumtiefe vorgaukelt. Tonale Fehler durch Überhöhungen, die gerade in diesem Bereich störend sind, haben dagegen keine Chance, das Ohr zu kratzen. Mit dem berechtigten Vorwurf, keinen ehrlichen Lautsprecher gebaut zu haben, können wir leben, denn warum in aller Welt sollen alle Boxen zur Fehleranalyse der Aufnahmen dienen. Viel zu schnell nerven kleine Kisten, weil ihnen „untenrum“ die Basis fehlt, MS-Micro hat absichtlich davon mehr als man erwartet.
Schnell ist die Geschichte der MS-D’Appo- Weiche erzählt, denn auch sie birgt keine großen Besonderheiten. Die parallel geschalteten CA 12 ergaben zunächst einmal einen schöner anzuschauenden Frequenzschrieb als der Einzelkämpfer in der Micro. Hier galt es, den Soundlevel auf den bei 300 Hz vorhandenen 88 dB zu belassen. Dazu benötigte ich eine 1,2 mH- Spule, die natürlich zu hohen Frequenzen zu wenig Wirkung zeigte (rot). 10 µF halfen da energisch nach, brachten sogar noch Pegelgewinn bis gut 3 kHz (blau).
Dem Hochtöner ersparte die höhere Schallwand weitgehend das Loch bei 3,5 kHz, dafür raubten ihm zwei Widerstände mit 1,5 und 15 Ohm etwa zwei dB Schalldruck. Anders als bei der Schwester koppelte ich ihn mit 8,2 µF und 0,39 mH ein gutes Stück tiefer ein, was das Mittentief stark zusammendrückte.
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