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Klang
Besonders einfach hatte ich es diesmal mit der Klangbeschreibung, denn als MiDu sich zum ersten Mal außerhalb des neuen Messraumes befand und ich gerade die Elektronikabteilung angeschlossen hatte, kam ein neugieriger Tom in den Laden spaziert, obwohl für diesen Tag keine Öffnungszeiten vorgesehen waren. Das traf sich aber gut, so saßen wir locker drei Stunden vor den Boxen und nicht der Entwickler, der sein Werk doch immer lobt, muss seine subjektiven Aussagen zum Klang von sich geben, sondern derjenige, auf dessen Initiative ich mir die Arbeit angetan habe. Wer könnte kritischer beurteilen, ob ihm mein Werk gefiele als er. Also lassen wir Tom zu Wort kommen.
Endlich war es so weit. Die MiDu stand zum Probehören bereit. Ich betrat also - wie schon häufiger in letzter Zeit - Udos Laden und war gespannt wie ein Flitzebogen. Bei meinen letzten Besuchen in Bochum hatte ich Gelegenheit, die Duetta, die Minuetta und die Eton 2U XXL zu hören, die ich nacheinander auch in meinen viel kleineren, häuslichen Hörraum mitnehmen konnte. Jede dieser Boxen ist auf ihre Art sehr gelungen, aber für die Kombination aus meinem Geschmack, meiner Kette und meinem Hörraum nicht optimal. Also wurde aus den subjektiven Stärken und Schwächen der einzelnen Boxen die MiDu entwickelt.
Sie liefe seit 10min, begrüßte mich Udo als ich den Laden betrat. Ich hörte ein Paar Boxen, nein besser gesagt Jazzmusik, die bei sehr gedämpfter Lautstärke absolut natürlich und lebendig rüberkamen. Angetrieben wurden die MiDus von einem kleinen, bei Udos Vorführungen gerne genommenen, Dynavox EL34 Verstärker. Wenn die stattliche Gehäusedimension der MiDu nicht gewesen wäre, wäre wohl der Ausdruck "Unauffällig" sehr treffend für die erste Begegnung.
Nach diesem schon einmal recht viel versprechenden Einstieg, ging es dann ans richtige Probehören. Hier durfte der gute Hugh Masekela mit seinem "Coal Train" von der "Hope", wie schon so häufig, den Einstand geben. Ich verwende diese CD sehr gerne als Opener, da ich zum einen die Musik mag und das Schlagzeug am Anfang dieses Tracks sofort eine Herausforderung an die Boxen ist. Nach meiner Definition scheidet sich da schon die Spreu vom Weizen. Das Schlagzeug muss bei geeigneter Lautstärke plastisch und fühlbar im Raum stehen und darf nicht schwammig oder verwaschen klingen. Diese Aufgabe meisterte die MiDu bravourös. Nein, eigentlich tat sie noch einiges mehr. Durch das Stück ziehen sich extrem kurze und trockene Bassdrum-Kicks. Die MiDu hat diese so was von natürlich wiedergegeben, dass es eine wahre Freude war. Ansonsten ist die Dynamik dieser Live Aufnahme ohnehin bemerkenswert, aber die MiDu setzte dem in allen Belangen noch eins drauf. Ebenso die Bühnenabbildung, breit und tief, so wie man es auch von einem echten Konzert erwarten würde. Als dann das Saxophon zu seinem Solo ansetzte, war sie wieder da, die Souveränität und Gelassenheit, die ich bereits bei der Duetta kennen gelernt hatte. Genau diese Farbenvielfalt und Dynamik ist es, warum ich immer wieder gerne Saxophon höre. Erstaunlich war auch, dass man sich selbst bei größerer Lautstärke noch ganz problemlos und ungestört unterhalten konnte. Bei fast allen Boxen, die ich bislang gehört habe, war das nicht so.
Dann ging es weiter mit verschiedenen Rock- und Jazzsachen, die weniger von der Aufnahme als mehr von der Musik her hörenswert sind. Alles hat sich erwachsen, angenehm und ehrlich angehört. Bei vielen wirklich gut bekannten CD's habe ich - insbesondere im Bass - Details gehört, die mir vorher unbekannt waren. So wurde auch die "Dark side of the moon" von Pink Floyd eigentlich nur für einen Test-Track eingelegt, aber dann doch zu 2/3 durchgehört. Irgendwie hat uns dann die Musik über die Doors, Golden Earring, Jethro Tull und John Mc Laughlin (der nebenbei bemerkt, eine super Website hat) zu Supertramp's "Crime of the Century" getragen. So selbstverständlich und livehaftig hatte ich bislang weder die Mundharmonika noch Roger Hodgsons Gesang bei "School" erlebt. Das Schlagzeug hat einen Druck und eine Farbenvielfalt entwickelt, die mich wirklich beeindruckt hat. Genau das war es was ich gesucht hatte. Grob- und Feindynamik ohne zu nerven, egal bei welcher Lautstärke und dazu tonale Neutralität. Als "Rudy" dann seine Reise antrat, war ich besonders gespannt, hatte ich doch zuletzt dieses Lied bei einer Vorführung in Düsseldorf gehört und mir dabei ernsthaft überlegt, ob ich den Vorführer ob der Lautstärke nicht wegen mutwilliger Körperverletzung belange. Dieser hingegen meinte aber nur: "Das muss so sein". Viele Zuhörer haben die Vorführung dann auch verlassen. Bei der MiDu hingegen wurde alles so perfekt und realistisch wiedergegeben, dass es eine wahre Freude war.
Zur Überprüfung der Wohnzimmer-Verträglichkeit haben wir den Lautsprecher dann auch mal als "Leisesprecher" betrieben. Selbst bei geringster Lautstärke wurden keine Details verschluckt oder verwaschen wiedergegeben. Ebenso brach auch die Räumlichkeit nicht zusammen und die tonale Ausgewogenheit blieb gewahrt. Das war wirklich fantastisch.
Abschliessend hörten wir noch Hermann Prey in Mozarts Zauberflöte, der den Papageno intonierte. Neben wahrnehmbaren Bewegungen auf der Bühne, war es die kompromisslose Sprachverständlichkeit die wirklich Weltklasse ist. Tempo- und Ausdruckswechsel beim Gesang waren jederzeit nachvollziehbar. Die MiDu macht genau das was ich von meinen neuen Boxen erwarte. Sie saugt den Zuhörer förmlich ein.
Leider war es zwischenzeitlich schon recht spät geworden, so dass ich die Heimfahrt angetreten habe, jedoch mit dem beruhigenden Gefühl, meinem audiophilen Ziel einen gewaltigen Schritt näher gekommen zu sein. Das Warten hat sich gelohnt."
Nicht nur für die tolle Beschreibung, die ich in jeder Einzelheit nachempfinden kann, danke ich Tom, dem geistigen Erfinder einer Box, die der Duetta durchaus mehr als nur das Wasser reichen kann. Wo die eine etwas tiefer geht, macht die andere durch Druck und Feinstdynamik auch im mittleren Bassbereich ihre Punkte. So gesellt sich zur Queen of Blues mit MiDu eine bemerkenswert erwachsene Princess of Blues und sie macht es selbst mir schwer, Duetta weiterhin den alleinigen Anspruch auf den Königinnen-Thron zuzugestehen
Udo Wohlgemuth
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