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Bestückung Geschrieben steht es nirgendwo, dass nur MS 3 heißen darf, wo Polypropylen drin ist. So blieb es mir völlig freigestellt, einen der neuen 18er von Seas zur Grundlage des hoffentlich auch so erfolgreichen Remakes zu nehmen. Da ich die Aluminium-Membranen schon für die Pontus AL missbraucht hatte, sie auch für ein wenig zu frech für diesen Boxentyp halte, wählte ich von den beiden Pappkameraden den WA 180. Er hat den größeren Magneten und damit den kräftigeren Antrieb und ist mir zudem durch die seinerzeit von mir entworfene Classic 260 in guter Erinnerung. Seine Membran gehört zur Sorte der Zwitter, denn wenn man sie von oben am Rand herunter drückt, bewegt sie sich fast kolbenförmig nach unten. Wiederholt man diese Bewegungsart auf der Rückseite, kerbt sich der Rand über dem Finger nach oben wie ein Stück weiches Papier. Dies ist allen neuen Pappmembranen der Norweger gemein, sie haben damit quasi zur Hälfte die Eigenschaften der ausrangierten Kunststoffe übernommen. Mittlerweile bekannt sind die guten konstruktiven Eigenschaften der neuen Seas-Chassis, die auf nichts verzichten, was heute technisch möglich ist. Hochgelegte Zentrierung, unter der man sehr schön die hochgewickelte Schwingspule auf ihrem Kaptonträger bewundern kann, ordentlich verzwirbelte Litzen als Stromzufuhr hinter den Anschlussfahnen, deren Pluspart rot ummalt ist. Strömungsgünstig geformte Stege mit großzügigen Öffnungen gegen jeden erdenklichen Luftstau sind ebenso Standard wie der breite völlig ebene Korbrand, mit dem der WA 180 mittels sechs Schrauben auch ohne Dichtband absolut luftdicht gegen das Holz der Frontplatte gepresst wird.Nicht unerwähnt möchte ich an dieser Stelle lassen, dass es bei Seas trotz modernster Automatisierung der Produktionsabläufe noch eine ganze Menge an Handarbeit gibt. So wird die Beschichtung auf die Pappmembranen nicht einfach aufgespritzt, sondern von einem Spezialisten, der dank langjähriger Erfahrung das gewisse Gefühl in den Fingern hat, per Pinsel immer völlig gleichmäßig verteilt. Ersetzbar ist er an diesem Arbeitsplatz bestenfalls vom Kollegen, dem durch ebenso lange Beschäftigung diese Tätigkeit auch ins Blut gegangen ist. Sind beide krank oder in Urlaub, gibt es eben keine beschichteten Lautsprecher.
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DatenblätterDie Messungen der Chassis erfolgten im MS 3-Gehäuse mit Mikrofon in Höhe des Hochtöners. |
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Gehäuse
Wie so oft im richtigen Leben gibt es auch bei Lautsprecherdesigns eine Ähnlichkeit, die den familiären Ursprung nicht verleugnen kann. Typisch für die MS-Reihe von Intertechnik war seit je her die kleine 45°-Fase, die früher breit um die ganze Box, heute jedoch nur noch schmal um die Seitenteile verläuft. Statt eines Reflexrohres verwende ich bei wandnah aufzustellenden Boxen den platzsparenden Schlitz auf der Front. Mit exakt 18 Litern entspricht der Volumenbedarf des WA 180 ziemlich genau der gängigen Größe, die für Regale geeignet, für Standboxen aber noch zu klein ist. Wegen dieser Aufstellungsoption habe ich wie bei der MS 2 den Hochtöner unter den Bassmitteltöner gesetzt, denn oft befinden sich die Regalbretter oder Schrankausbrüche, auf denen die Boxen stehen dürfen, nicht in sitzender Kopfhöhe. So schafft es der zu hohen Frequenzen ordentlich gebündelte Schall leichter, doch noch auf direktem Weg das Ohr zu erreichen.
Nur sieben Bretter sind nötig, um das MS 3-Gehäuse zu bauen. Dazu benötigen wir eine Kunststoffflasche mit Fugen- und Parkettleim, eine ebene, mit Zeitschriften oder Packpapier abgedeckte Fläche und ein wenig Sorgfalt beim Aufeinanderstapeln der Bretter. Unten liegt die erste Seitenplatte, auf die der an der zu verklebenden Schnittkante mit Leim bekleckerte Deckel aufgesetzt, ein wenig hin und her gewackelt und bündig an den Rand platziert wird. Die Frontplatte, der gleichen Prozedur an zwei Klebekanten unterzogen, zwingt den Deckel in den rechten Winkel. Das Reflexbrett macht das Gleiche mit der Front. Eine zwischenzeitliche Kontrolle des Sitzes der vorher aufgestellten Bretter verhindert den späteren Ärger über verrutschte Platten, die jetzt noch problemlos an ihren Platz zurückgeschoben werden können. Nachdem die Rückwand eingeklebt ist, gebe ich den Leim auf dessen untere Schnittkante, an der sich der unten beleimte Boden anschmiegt. Während der Trockenzeit des
Klebers verarbeite ich die Bretter der zweiten Box bis zum gleichen Aufbauzustand. Zum Schluss wird auf alle oben liegenden Schnittkanten Kleber aufgetragen, die zweite Seite aufgelegt, ein wenig angedrückt und mit leichter Drehbewegung bewegt, um schlussendlich alle Kanten zu überdecken. Die Seitenplatten habe ich mit einer Leimzugabe genannten Toleranz des Zuschnitts sägen lassen. Wenn sie nun ein wenig über die anderen Bretter ragen, ist das so gewollt.Zwar klebt besonders gut der Leim, der ausquillt, doch zu viel davon muss es nicht sein. Mit einem feuchten Tuch lässt er sich leicht von der nicht zu klebenden Fläche entfernen. Fugenleim ist sehr sparsam, mit einer Flasche baue ich alle Kisten für eine ausgabe und habe am Ende sogar noch ein wenig für andere Projekte übrig. Nach angemessener Trockenzeit, am besten über Nacht, werden die Boxen geschliffen. Hierzu benutze ich einen Bandschleifer mit grobem bis mittelfeinem Schleifband. Ängstlichere Personen können auch mit dem Schwing- oder Exzenterschleifer, ja sogar per Hand für plane Kanten sorgen. Die benötigten Ausschnitte fräse ich mit der Oberfräse, für die ich in dieser Ausgabe einen einfachen Fräszirkel angefertigt habe. Als Oberflächenfinish bietet sich Furnier oder Lack an, meine MS 3 habe ich mit weißer Wandfarbe vorgerollt und mit Steineffektlack aus der Dose übersprüht. Bauplan MS 3 mit Holzliste als PDF |
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Messungen
Keinen Grund zur Klage geben die Messdiagramme der MS 3. Der unter 15 Grad gemessene Frequenzgang verläuft so glatt, als wäre er mit dem Lineal gezogen. Keine Klirrkomponente schafft es so richtig, den unteren Promille-Bereich zu verlassen. Das Impedanzminimum von 4,9 Ohm liegt bei 7800 Hz. Der für einen einzelnen 18er heutzutage ungewöhnliche SPL von durchschnittlich 88dB/2,83V/1m schrie geradezu nach einer für Röhrenhörer notwendigen Linearisierung der Impedanzspitze bei 1200 Hz, was ich keineswegs ungehört verhallen lassen konnte. Die passenden Werte sind 33 µF, 0,47 mH und 6,8 Ohm Mox.
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Klang
Die folgenden CD's mit Rock und Klassik konnten den guten Eindruck des ersten Hörens nur bestätigen. Die kleinen MS 3 gefielen mit Detailreichtum, wobei sie niemals vorlaut wirkten. Grundsätzlich erinnerten sie an den runden Klang der alten Polyprops, haben nun aber auch die feine Durchzeichnung im Bassbereich, der den Pappen eigen ist.
Zum guten Schluss konnte konnte ich noch ein wenig Frauen-Jazz genießen, der nur von wenigen Instrumenten begleitet wurde. Cassandra Wilson, Renee Olstead oder auf deutsch auch Kitty Hoffy überzeugten mit wunderbarer Feindynamik und einfühlsamer Wärme in den Stimmen, die sich wunderbar von den Boxen lösten und die Größe der Sängerinnen realistisch erscheinen ließen. Kein Zischeln oder Dröhnen störte den Hörgenuss. Die Instrumente gruppierten sich mit festem Platz um die singenden Damen und als Angela McCluskey Don't Explain umrahmt von Klavier und Cello darbot, hatte ich wieder einmal ein Stück Musik gefunden, wie ich es mag, leicht melancholisch in langsamen Molltönen und ausdrucksstarkem, immer richtig betonendem Wechsel von Umschmeicheln und Kraft in der Stimme. Langweilig, um den ersten Satz der Einleitung aufzugreifen, nein, das sind die Boxen nicht. |
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Sehr geehrter Herr Wohlgemuth, ich besitze einen Paar Intertechnik "MS 3 MK II" Kompaktlautsprecher. Die "WP 171 NP" TMT sind aber leider nicht mehr so gut erhalten. Kann ich diese durch andere aus heutiger Produktion, ohne die Weiche oder Gehäuse zu verändern ersetzen? Mit besten Grüßen. Miguel Rodriguez
Hallo Miguel, ein Tausch der Chassis ist leider nicht ohne Änderungen am Gehäuse und der Weiche möglich. Die neuen Körbe sind etwas größer geworden und passen nicht mehr in die Ausschnitte der alten. Weiterhin sind die Membranen der WP 171 NP aus Polypropylen, das sich im Mittelton-Bereich völlig anders verhält. Gruß Udo
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