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Klang
Nach ein paar Tagen des Klebens, Schleifens und Lackierens war es dann geschafft. Bevor ich die zwei Kühlschränken nicht unähnlichen Kisten, die jeweils 45 kg schwer und mindestens doppelt so unhandlich waren, ins schöne Sauerlandrandgebiet verfrachtete, testete ich ihre Tauglichkeit für lautes Hifi bei mir im Laden in Kombination mit dem Aktivmodul und den Coax 12 aus der Ausgabe 3. Die beließ ich nach unten unbefiltert und stellte die Sub-Trennung am Modul auf die niedrigste Stufe. Rockmusik der frühen bis späten 70er Jahre war angesagt, als die ersten Klappertöne im Raum hörbar wurden. Die kamen natürlich nicht von den Boxen, sondern erinnerten mich sanft daran, dass die Tür zum Flur nur angelehnt und nicht geschlossen war. Hups, da war der Lautstärkeregler gerade einmal kurz über 10 Uhr aufgedreht und schon schob der Bass so viel Luft vor sich her, dass die Tür bebte. Ich gebe zu, der gesamte Abhörpegel war nicht gering und ein Mitarbeiter der Berufsgenossenschaft hätte sicher von mir verlangt, die berühmten roten Ohren oben links überzustülpen, da der Lärm am Arbeitsplatz die vorsorglichen Grenzen des Erlaubten weit hinter sich ließ. Doch auch bei geringerer Lautstärke ließ das Bauchgefühl nichts zu wünschen übrig, trocken und druckvoll massierte der Gibson-Bass von Jack Bruce mit White Room das Zwerchfell. So weit, so gut, für das Ärgern meiner Nachbarn war der HP 18 Sub bestens geeignet, doch erfreut er auch Dinos Nachbarin? Dort standen schon helfende Hände bereit, die meine Ankunft kaum erwarten konnten und die Basskisten sofort aus meinem Auto entsorgten. Die Kabel zu den PA-Endstufen lauerten bereits in ihren Raumecken und stürzten sich stehenden Fußes auf ihre Opfer. Tina Turner kannte ich, doch die Lautstärke, mit der sie meinen Lieblingssong Proud Mary in die Scheune blies, war nah an Westfalenhallen-Niveau. Ihr Bassist hatte sich meine Hose verliebt, drum zerrte er unentwegt daran, dass sie mir um die Beine flatterte. Dies konnte die Nachbarin nicht so recht nachempfinden, als sie uns vom Tanzen verschwitzt nach langem Klingeln endlich die Tür öffnete. Da sie kein Fenster offen hatte, hatte sie uns auch nicht rufen hören, sagte sie, als wir uns mit heiserer Stimme nach der Wirkung des Konzerts erkundigten. Doch, die Musik war voll nach ihrem Geschmack. Sicherlich wird mir jetzt so mancher einen Hang zur Übertreibung unterstellen. Der fahre dann doch selbst bei der nächsten Feier durchs schöne Sauerland. Er wird schon mitbekommen, in welchem Dorf die Musik spielt
Udo Wohlgemuth
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