Der Bausatz ist leider nicht mehr lieferbar
Aus alt mach neu, so könnte das Motto dieses Berichts kaum treffender lauten, denn es ist bereits fünfzehn Jahre her, dass ich den ersten Bausatz im Stile der FirstTime 10 entworfen habe. Damals hieß das Ding “Impuls 3” und war mit drei Bravox-Bassmitteltönern und Seas-Hochtöner bestückt. Sie gehörte zu den Meilensteinen meiner Entwickler-Karriere und war lange Zeit mein meistverkaufter Bausatz. Die Chassis aus Brasilien sind längst nicht mehr erhältlich, Nachfolger dafür habe ich lange nicht gefunden. Eigentlich ist das unverständlich, denn auch die W 140/ 8 befinden sich schon seit Jahren im Intertechnik-Katalog, den ich nicht erst vorgestern zum ersten Mal durchgeblättert habe. Doch so ist das im Leben, naheliegende Dinge werden oft übersehen. Nachdem ich jedoch mit seinem vierohmigen Bruder die FT 6 (MK2) mit innenliegendem Bandpass-Bass gebaut hatte, kam mir natürlich auch die alte Standbox mit anscheinend nur zwei kleinen Chassis auf der schmalen Front in den Sinn und so machte ich mich an die Planung für die FirstTime 10, einer schmächtigen Box mit viel Bass drin.
Das Bandpass-Prinzip
Bass aus dem Nichts ist der größte Wunsch aller Männer, die aus verständlichen Gründen Rücksicht auf die Befindlichkeit der Mitbewohner ihrer Wohngemeinschaft nehmen wollen oder müssen. Auch wenn das nur ein frommer Traum bleiben muss - irgendwo muss der tiefe Ton ja seinen Ursprung haben - so soll dessen Erzeuger doch wenigstens nicht zu sehen sein. Natürlich war das nicht das Ziel der historischen Väter der Bandpass-Bauweise, sie waren Ingenieure, die mehr das Machbare als das Unsichtbare vor Augen hatten. Das war nur eine Zugabe, die später die Kaufleute vermarkten konnten.
Zunächst besteht ein Bandpass aus zwei Gehäusen, zwischen denen der antreibende Basslautsprecher sitzt. Im einfachen und noch überschaubaren Aufbau ist das rückwärtige Volumen geschlossen und verändert die Resonanzfrequenz und die Güte des eingebauten Chassis so, dass es aus einem vor die Membran gesetzten, relativ kleinen Reflexgehäuse tiefe Töne in einem begrenzten Frequenzband abstrahlt. Da der Treiber selbst keinen Kontakt zur Außenwelt hat, wird seine Schallabgabe durch das geschlossene Gehäuse nach unten mechanisch mit einem Filter 2.Ordnung beschnitten, durch das Reflexgehäuse ebenso obenrum. Genauere Einblicke in die Berechnung und Wirkungsweise von Bandpässen geben unsere “Grundlagen”, in denen ein kleiner Überblick über verschiedene Bauarten zu finden ist.
Das Gehäuse
Für die FirstTime 10 hatte ich mir also die Gradient W 140/ 8 ausgesucht, von denen sich zwei im Verborgenen und einer als sichtbarer Bassmitteltöner auf der Schallwand tummeln. Diese drei Kumpanen sind maßgeblich für die zu umbauenden Volumina, aus denen die einzelnen Abteilungen der Box bestehen. So war da zur ersten die geschlossene Kammer, für die ich mit Hilfe von LspCad einen Bedarf von etwa 18 Litern ermittelte, um genügende Tiefe bei noch ausreichendem Pegel zu erhalten. Für die vorgesetzte Reflexabteilung reichten 10 Liter aus, damit sich die inneren Schallorgane oberhalb von 150 Hz von selbst verabschiedeten. Zwei hintereinander eingebaute W 140/ 8 verlangen für die gewünschte Wandstärke von 16 mm eine Boxentiefe von 35 cm bei 20 cm Breite, jeweils Außenmaß.
Dem Luftikus unter den W 140/ 8 ist es fast egal, wie groß seine Behausung wird, da er erst oberhalb von 100 Hz Verantwortung für die Wiedergabe von Tönen übernimmt. Erst recht gedankenlos kann der schon häufiger verwendete, ferrofluidfreie Hochtöner GDT 104/ R aus dem Gradient-Programm das Thema Gehäuse angehen, er braucht keins. Trotzdem ist auch er an der Boxengröße beteiligt, denn generell wollen Hochtöner in Ohrhöhe dem Zuhörer ins Gesicht schauen. Damit ist die Höhe auf einen Meter festgelegt, was dem Mitteltöner mehr als 15 Liter zukommen lässt. Der Bau der Boxen ist einfach, wenn du die Bretter in der Reihenfolge der Bilder verarbeitest.
Der Aufbau




Ein paar kleine Vorarbeiten erfordert das Innenleben der FT 10. Zum einen brauchen wir einen Schraubrahmen, da der Boden der Box nicht eingeklebt werden kann. Nur so bleibt uns die Möglichkeit, später die verborgenen Bässe in die Kiste zu packen. Daher sägen wir aus zwei Brettern die Mitte aus und lassen eine Brettstärke als Rand stehen. Die Löcher zur Aufnahme der Bässe müssen wir auch vorweg sägen, da wir mit der Stichsäge nicht in der Box hantieren können. Die Schraublöcher bohren wir auch besser mit einem 3 mm Bohrer vor, solange das Brett noch frei zugänglich ist. Danach ist Kleben angesagt.



Die Klebearbeit beginnt mit der Front, die bündig mit der Seite abschließt. Ihren rechten Wickel bekommt sie vom Deckel, an den sie sich lehnt. Nun markieren wir den Platz des ersten Innenteilers, den wir sofort an den nötigen Schnittkanten mit Leim versehen und einkleben. Die weiteren Schritte folgen analog.







Manchmal kann es geschehen, dass lange Bretter nicht ganz gerade sind. Dann helfen Schraubzwingen, sie von der gewünschten Geradlinigkeit zu überzeugen.

Nach ein paar Ruhestunden und mit neuem Pullover geht es an die Oberflächenbearbeitung. Mit einem Bündigfräser mit kleinem Zacken lässt sich recht einfach eine Schattenfuge anbringen, die bei stumpf verleimten Brettern die Klebenähte verbirgt.

Die Chassisaussschnitte und -vertiefungen sind leicht mit dem Fräszirkel gemacht. Sein unkomplizierter Aufbau wird genau in der “Werkstattpraxis” erklärt.

Damit die Oberfläche vor Schmutz geschützt ist, haben wir zwei Lagen Klarlack auf das MDF aufgerollt. Es färbt sich dadurch leicht in Richtung Buchenholz und lässt eine leichte Struktur der Fasern erkennen. Mit einem Pinsel wird anschließend die Schattenfuge nachgezogen, um überflüssigen Lack daraus zu entfernen. Auch die Vertiefungen für die Chassis werden damit lackiert.

Wenn alles trocken ist, geht’s an den Einbau der Innereien. Für die Innentreiber brauchen wir ein langes Kabel, das wiederum einer Bohrung im ersten Teiler bedarf. Das erledigen wir durch den Ausschnitt für das Terminal. Die Bohrung wird nach Einziehen des Kabels mit Heißkleber verschlossen.

Nun fehlten nur noch drei Beutel Sonofil, die ich ein wenig zusammengerollt in die geschlossene Basskammer legte. Das Kabel hielt ich dabei mit einer Hand fest, damit es sich nicht im Gewusel der Wattefasern verirrte. Am ersten Bass lötete ich vor dem Einschrauben ein weiteres Kabel an, mit dem ich ihn mit dem zweiten Bass und der Verbindung zum Terminal verband. Nachdem die Kabel sorgfältig im Sonofil versenkt waren, konnte ich auch den zweiten Bass anschrauben. Dafür empfiehlt sich der Handbetrieb, dank der vorgebohrten Schraubenlöcher kein Problem.

Der Boden, den ich rundum zum besseren Einbau um etwa 1 mm verkleinert habe, wird ebenfalls mit sechs Bohrungen versehen und dann unter den Schraubrahmen geschraubt. Zur Entkopplung der Box vom Fußboden benutze ich die praktischen Gummifüße RS-07/22 mit der Artikelnummer 1384200, die nach Vorbohren auch untergeschraubt werden.

Der Bauplan
Die Weiche
Nicht viel Erklärungen gibt es wieder einmal zur Weichenentwicklung, das hat eh kaum jemand mal bis zum Ende durchgelesen. Daher reicht mir diesmal ein Diagramm zum Übergang zwischen Bandpass und Mittelhochton. Das ist dafür dann nach Anklicken riesengroß, Platz spielt im Internet keine Rolle.

Der Bandpass wurde durch eine Rollenkernspule zusätzlich nach oben gefiltert, so dass wir nunmehr eine Flankensteilheit von 18 dB/ Oktave erhalten. Der kleine Zipfel um 700 Hz ist der Rest der Rohrresonanz, der wegen mehr als 20 dB unter Pegel nicht auffällt. Mit drei weiteren Bauteilen, die als Saugkreis zusammen geschlossen würden, könnten noch zusätzliche vier dB weggefiltert werden, das spare ich mir aber allein schon wegen des fehlenden Preis-Leistungsgegenwerts. Vor dem Mitteltöner liegt ein riesiger Elko rau, der gegen das Absinken der Impedanz unterhalb von 30 Hz wirkt. Zu hohen Frequenzen habe ich mit einer Spulen-/ Kondensatorkombination mit 12 dB zum Hochtöner getrennt, der ein Bauteil mehr und damit ein Netzwerk 3. Ordnung sowie einen Spannungsteiler zur Pegelangleichung erhielt. Es ist zu beachten, dass die inneren Bässe nicht phasengleich zum Rest angeschlossen werden.
Auch zum Weichenauf- und Einbau haben wir ein paar helfende Fotos geschossen.

Die Bauteile auf dem Weichenplan sind genauso angeordnet wie auf dem rechten Bild, dort sind sie jedoch platzsparender untergebracht. Auf dem Biwiringterminal kleben die Bassspule und der große, grüne Mitteltonkondensator. Dort habe ich auch die Verpolung der Chassis vorgenommen. Der Rest ist mit ein paar Tropfen Alleskleber auf der Platine M2-2Wege fixiert und auf der Rückseite sauber verlötet. Kabelsets sorgen durch unterschiedliche Farben für die unverwechselbaren Verbindungen. Die Platine gehört nicht zwingend zum Bausatz, kann aber als nützliches Zubehör zusätzlich bestellt werden. 

Der Platz für die Weiche ist in der oberen Kammer, wo sie auf den Boden geschraubt oder zwischen das Sonofil gepackt wird, von dem zwei Beutel zusammengerollt hintereinander stehend den Raum locker füllen. Am Terminal habe ich die Verpolung der Bässe durch das rote Kabel an Minus und das schwarze hinter der dicken Spule noch einmal deutlicher hervorgehoben.

Fehlen nur noch die sichtbaren Lautsprecher, die angelötet werden. Rote Markierungen zeigen uns hier den Pluspol an. Vorbohren vor dem Anschrauben ist auch hier wieder Pflicht.

Der Hörtest
Lautsprecher sollte man immer mit angemessenem Equipment prüfen, einen Verstärker für mehrere Tausend Euro an einem Bausatzpaar für weniger als 300 Euro anzuschließen ist auszuschließen. So nahm ich wieder einmal mit meinem alten AV-Receiver von Yamaha vorlieb und ließ ihn zunächst einmal mit Radiotönen glänzen. Dummerweise standen alle Stimmen in der linken Box, kein Wunder, wenn auf der Weichen-Platine eine Brücke fehlt und der Hochtöner keinen Ton von sich gibt. Das war schnell behoben und trotzdem stellte sich die gewohnte Mitte bei Stimmen nicht ein. Da freute es mich wieder einmal, den Wyntek Easy-Tester zu besitzen. Er verriet mir sekundenschnell, dass ich auch das Mittelton-Kabel an der Platine falsch herum angesteckt hatte. Fachmann halt, der zwar auch nicht weiß, wie man Fehler vermeidet, aber wenigstens, wie sie sich zeigen und wie man sie behebt.
Nach dem kurzen Vorgeplänkel ging es dann ans Konservierte, sprich die CD’s durften sich drehen. Als erster interessierte natürlich der Bass, dem Sting mit “Every Breath You Take” elektrisch auf den Zahn fühlte. Trocken, knurrend und mit passender Lautstärke drückte er der Musik den Rhythmus auf, fein unterstützt von dem DubDub der Bassdrumm. Gut gemacht, Test bestanden. Ein wenig heftiger klopfte Mick Fleetwood auf seine Pauken, als er seine Mitstreiter zum “Don’t Stop” aufrief, die ihn allerdings am Ende doch mit knapp 200 Fanfaren und kleinen Trommeln allein auf der Bühne sitzen ließen. Dafür durfte das Publikum um so mehr breit und tief gestaffelt seine Anwesenheit im weiten Saal dokumentieren. Das Konzert hatte ihnen fraglos unbändigen Spaß gemacht, so ging es auch dem reinen Zuhörer.
Doch nicht nur die Rockmusik war das richtige Futter für die FirstTime 10, sie hatte ebenso nichts an klassischen Klängen auszusetzen. Dvoraks Symphonie Nr. 9 “Aus der neuen Welt” fehlte nichts in den getragenen wie in den dramatischen Elementen. So aufspielend ist die FT 10 ein würdiger Nachfolger der Impuls 3, für die ebenso jedes Wort stimmt, dass ich damals über ihre Vorgängerin schrieb: Frei nach der Devise: ``Doch wie es drinnen aussieht, das geht niemand etwas an!`` verbirgt die Impuls 3 dem Auge, was das Ohr hören will. Ein angenehmer Effekt ihres Aufbaus ist, dass sie den ewigen Streit um meist weibliche Boxengröße gegen meist männliche Bassgewalt vergessen lässt.
Udo Wohlgemuth
Die Technikseite
FirstTime 10

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Der Bausatz FirstTime 10 ist leider nicht mehr lieferbar.
Da bisher der W 140/ 8 nicht im Einzeltest erschien, stellen wir hier seine Werte kurz dar.
W 140/ 8
nicht mehr lieferbar

Ausstattung:
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Parameter:
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Messungen als Zip-Datei
Hallo, ich bin schon seit einiger Zeit dabei einen passenden Bausatz für mich zu finden. Die FT 10 gefiel mir direkt sehr gut, weshalb ich es sehr schade finde, dass dieser Bausatz nicht mehr verfügbar ist. Meine Fage ist nun, ob bzw. wann es einen Nachfolger der FirstTime 10 geben wird? Grüße Kolja
Hallo Kolja, die Ersatz-Chassis werden bald verfügbar sein, dann wird die FT 10 schnellstens wieder aufgelegt. Gruß Udo
Hallo, Mit ein paar Freunden, haben wir es uns zur Aufgabe gemacht einen Jukebox zu bauen. Und zwar haben wir dafür einen alten PC und einen noch nicht festgelegten Boxensatz herausgesucht. Gibt es da ein Paar Dinge die man Boxentechnisch und was die Elektrik angeht beachchten sollte? Mit freundlichen Grüßen André Werthwein
Hallo André, jetzt habe ich drei Tage nachgedacht, eine Antwort ist mir nicht eingefallen. Gruß Udo
Die Festplatte nicht direkt neben den Magneten vom Lautsprecher schrauben wäre gut...
Hallo Udo,
schön zu hören, dass es die FT10 bald wieder gibt.
Wenn ich die FT10 mit Bi-Amping betreiben möchte, dann kann doch eigentlich der Mitteltonkondensator wegfallen, oder sollte man den besser beibehalten?
Danke im Voraus und viele Grüße
Ernst
Hallo Ernst,
bei BiAmping ist der Kondensator nicht nötig. Bis das Update fertig ist, wird es aber noch etwas dauern. Dafür habe ich kein fertiges Gehäuse mehr im Keller, das muss erst gebaut werden. Vorher werden die Quickly 14 und 28 und die Quickly 18 als Regal- und Standbox vorgestellt.
Gruß Udo
Hey Udo,
ich hab damals die FT10 nachgebaut und muss leider sagen so ganz 100%ig überzeugt bin ich immernoch nicht.
Ihr "Spielverhalten" ist für meine Verhältnisse sehr neutral, andere würden sagen langweilig. Sie brauchen relativ viel Leistung damit im Bassbereich auch was passiert, eine Bühne konnten sie im meinem Raum (25m²) nicht aufbauen, auch nach mehreren Aufstellversuchen.
Zuerst kam mir eine falsche Verkabelung oder irgendein Fehler beim Weichenbau in den Sinn, ich hab aber nochmal alles gründlich gecheckt und beide Lautsprecher klingen absolut gleich. Ich hab zum Spaß mal den Gleichstromwiderstand an den Anschlussbuchsen gemessen, dieser ist bei beiden fast identisch ( ~ 4,2Ohm).
Als nächste Idee kam mir mein Verstärker (ein alter AV Receiver von Marantz) in den Sinn, der Austausch gegen einen Denon pma-710ae brachte mehr Klangfülle in den oberen Frequenzbereichen, der Bassbereich bleibt trotzdem sehr verhalten.
Mir kam auch schon die Aufstellung eines zusätzlichen Subwoofers in den Sinn, da ich aber ein Verfechter des stereo hörens bin,kommt das eigentlich nicht in Frage.
Hast du vielleicht noch eine Idee woran es liegen kann, dass die FT10 bei mir nicht so richtig wollen?
Gruß Toby
Hallo Toby,
das kann ich dir nur sagen, wenn du die Boxen herbringst. Wenn auf beiden Seiten etwas falsch angeschlossen ist, klingen die Boxen sicher auch identisch und der Widerstand ist ebenfalls gleich.
Gruß Udo
So, nachdem ich nochmal etliches getestet habe ist mir aufgefallen, dass wenn ich am Verstärker die Lautsprecher umpole diese deutlich besser klingen. Kann doch eigentlich nicht sein, wenn die Phase an allen Punkten um 180° gedreht wird!? Kannst du kurz nochmal erklären warum die Bandpässe verpolt angeschlossen werden?(die sind aber richtig angeschlosssen)
Hallo Tobi,
wenn du beide Boxen umpolst, kannst du keinen Unterschied hören.
Gruß Udo
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