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Klang
Was nützen alle Messungen und Aufbaubeschreibungen, Lautsprecher beurteilt man nach ihrem Klang. Da es hierbei jedoch kein allgemeingültiges Auswahlkriterium gibt, wonach man eine Einstufung in gut und schlecht vornehmen kann, ist der Leser darauf angewiesen, mit meinen subjektiv gefärbten Beurteilungen zu leben, zum Mindesten bis er selbst zur Hörprobe kommt. Dazu den Anreiz zu schaffen, ist die Aufgabe dieses von mir eher weniger geliebten Teils des Artikels, muss ich mich doch bemühen, nachvollziehbar in Worte zu fassen, was ich gehört oder empfunden habe. Allein die Frage, ob es mir gelungen ist, das für die Konstruktion gesteckte Ziel zu erreichen, muss ich doch subjektiv immer mit “ja!” beantworten. Eine Entwicklung zu veröffentlichen, die nicht das macht, was sie soll, hat wenig Sinn, da muss entweder weiter dran gearbeitet oder das Projekt durch ein anderes ersetzt werden. Einfacher hätte ich es, wenn ich Fremdprodukte beurteilen müsste. Da zu sagen, dass das Werk noch unvollendet ist, kann mir schlimmstenfalls der Hersteller übel nehmen, weil er sicher anderer Meinung wäre. Doch nun genug der Philosophie (neudeutsch: Filosofie), kommen wir zum Klang.
Also das vorweg, es war nicht so schlimm, dass die Katzen wegliefen (hier einmal Marie, die von Felix nur noch lernen muss, wie man Gehäuse auf Luftdichte überprüft, ohne die gerade geleimten Platten dabei umzuwerfen). Nicht sinnvoll erschien mir, einen Test mit klassischen Streichquartetten durchzuführen, denn welcher Geiger würde beim Auftritt sein Instrument durch einen Lautsprecher verstärken lassen. Damit ist das Programm schon fast festgelegt, Gitarrenrock, Blues und Live-Konzerte mussten in den CD-Dreher, um die Box in ihrem Element zu genießen. Lange musste ich nicht suchen, denn genau das ist die Musik, die ich in grauer Vorzeit bevorzugt konsumierte. Eric Burdon begann mit “River deep, mountain high”, unglaublich diese Direktheit der Leadgitarre und die plastische Darstellung der Stimme. Sicher ist die Aufnahme alles andere als gut abgemischt, trotzdem verspürte ich sofort die größere Nähe zu den Musikern, wie ich sie aus meinen Besuchen in kleinen Clubs der frühen 70er Jahre kannte. Völlige Live-Athmosphäre war angesagt, als die Doors “When the music’s over” intonierten. Der typische Sound von Ray Manzareks Hammond-Orgel, die leicht rauhe Stimme von Jim Morrison und das manchmal von John Densmore heftig attackierte Schlagzeug standen auf einer großen, offenen Bühne und kannten keine Begrenzung mehr durch irgendwelche Boxen, die tatenlos in meinem Raum rumstanden. Das Brummen der Röhrenverstärker in den leisen Passagen, als ein Teil des Publikums nicht wusste, wie man sich bei einem Rock’n’Roll-Konzert benimmt und vom Sänger ermahnt werden musste, erinnerte mich rechtzeitig daran, dass ich noch einen weiteren Test geplant hatte. So schloss ich meinen VR 70 mod an die Boxen an, packte auch noch meinen alten Plattenspieler dran und ging auf die Suche nach den letzten noch verbliebenen schwarzen Scheiben. Was ich fand war nicht mehr viel, aber Fleetwood Mac “Then play on”, seit fast 20 Jahren nicht mehr abgespielt, ja fast vergessen, war zu meiner großen Freude noch dabei. Meine Coax 12 freuten sich ebenso und gaben “Oh well” so analog wieder, dass es Gänsehaut produzierte. Grandios das Zusammenspiel der drei Gitarren von Peter Green, Danny Kirvan und Jeremy Spencer auf “Waiting for Madge”, unterstützt vom treibenden Schlagzeug von Mick Fleetwood und dem rollenden Bass von John McVie. Richtig, damals gab es noch keine Stevie Nicks und keinen Lindsey Buckingham bei der Gruppe, dafür nach kurzen Gesangspassagen Musik vom Feinsten, die Boxen passten sich da nahtlos an.
Udo Wohlgemuth
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